Ende der PS4

Nach Infamous: Last Light meldet sich das Entwicklerteam von Sucker Punch zum Ende der aktuellen Konsolengeneration mit einem letzten PS4-Exklusivtitel zurück. Anstatt aber erneut in die Zukunft zu reisen und Menschen mit Superkräften zu spielen, finden wir uns im alten Japan wieder. Um genau zu sein, auf der Insel Tsushima.
Über Samurais und Mongolen
Wie Anfangs erwähnt, schickt uns Sucker Punch in Ghosts of Tsushima ins gute, alte Japan. Um genauer zu sein, in das 13. Jahrhundert. Hier werden reale Vorfälle genutzt, um eine fiktive Geschichte rund um Samurai, Mongolen, Ehre und Zweifel zu erzählen. Wir spielen in Ghosts of Tsushima den jungen Samurai Jin Sakai, welcher seinem Onkel, Fürst Shimura, zu Diensten ist. Seine Klinge kommt auch direkt zu Beginn zum Einsatz, als die Insel Tsushima von einem großen mongolischen Heer angegriffen wird. Die vorhandenen Samurai werden gesammelt und in den Kampf geschickt, erleiden jedoch eine vernichtende Niederlage, in der zusätzlich auch noch unser Onkel gefangen genommen wird. Ab hier haben wir unser erstes Hauptziel und können uns aufmachen die Open World zu erkunden. Jin selbst ist ein Krieger mit Erfahrung,dessen Fähigkeiten aber noch ordentlich ausgebaut werden können. Wir können zu Beginn Schläge parieren und eine leichte sowie eine starke Schlagkombo ausführen. Diese lassen sich im laufe der Zeit aber erweitern. Ein Beispiel wäre die perfekte Parade, welche uns ein Zeitfenster öffnet, in dem wir normalen Gegnern einen Todesschlag verpassen können. Wie wir das schaffen?
In Ghosts of Tsushima nennt sich Erfahrung schlichtweg Ruf. Durch das Erfüllen von Missionen wird unser Ruf gesteigert und wir erhalten Technikpunkte, welche wir für besagte Techniken ausgeben können. Aber auch der Kampf mit mongolischen Kriegern gewährt uns einen kleinen Rufbonus. Das Besondere an diesen Kämpfen ist, dass manchmal Geiseln bei Ihnen sind, welche, nachdem sie befreit wurden, ein paar nützliche Infos für uns haben. Eine Information war zum Beispiel, dass ein älterer Herr auf einer Insel wartet und wie wild mit seinem Katana herumfuchtelt. Wer weiß, was dort zu erleben ist! Man sollte den Kämpfen mit der gegnerischen Streitmacht eigentlich nie aus dem Weg gehen. Neben solchen Infos durch Geiseln, lassen getötete Gegner nämlich auch Vorräte fallen. Diese können genutzt werden, um Handwerks-Materialien zu kaufen, aber auch um unsere Waffen und Rüstungen ein Upgrade zu verpassen.
Das Kampfprinzip ist dabei flott und sehr einprägsam. Nur die Gegner-KI ist leider ein Wermutstropfen. Viel zu häufig habe ich erlebt, dass die Gegner mich zwar eingekesselt haben, aber immer nacheinander angriffen. Dies machte die Kämpfe zwar sehr stylisch, aber auch zu einfach. Und auch wenn Gegentreffer sehr wehtun, habe ich nur in den Bosskämpfen das wirkliche Gefühl einer Herausforderung gehabt. Weiterhin ist zu erwähnen, dass es verschiedene Arten von Gegnern gibt. Diese sind unterteilt in Schwert-, Speer/Axt-, Schildträger und Barbaren. Im Laufe der Geschichte schalten wir Haltungen frei, um jeweilige Gegnertypen einfacher besiegen zu können oder sie schneller zum Taumeln zu bringen. Während Gegner taumeln, sind sie für kurze Zeit sehr einfach zu treffen. Aber einen Krieg kann man ja bekannterweise auf viele Arten gewinnen. Damit will ich sagen, dass Jin zwar ein Samurai ist, aber sehr schnell merkt, dass er mit dem Kodex nicht viel erreichen wird. Daher ist es auch möglich, das gegnerische Heer auf die leise, heimtückische Art zu erledigen. Hierfür werden Kunais, Rauchbomben und andere Mittel verwendet. Gerade in diesen Momenten zeigt sich, dass Jin innerlich ziemlich zerrissen ist. Er gibt immer wieder zu verstehen, dass ein Samurai seinem Gegner in den letzten Momenten in die Augen blickt. Dies wird sehr stimmungsvoll durch Flashbacks präsentiert. Und all das nur durch einen Nebencharakter!!!
Eine Geschichte den Nebencharakteren
Aufgeteilt ist das Spiel in drei Akte, welche jeweils einen Teil der Insel einnehmen. Die Missionen sind in Haupt- und Nebenmissionen unterteilt, sowie das Befreien von Dörfern. Außerdem lässt sich durch Erkundung auch einiges Mythisches entdecken, wie zum Beispiel die Inari-Schreine oder Geschichten rund um die japanische Folklore. Orientieren tun wir uns durch den Wind, der unter Verwendung des Touchpads anfängt stark zu wehen und uns somit die Richtung der ausgewählten Mission zeigt. Die Story, welche in Ghosts of Tsushima erzählt wird, ist Interessant, aber mit jeder Menge Klischees beladen und leider relativ linear. Außerdem ist das Konstrukt der Geschichte nicht so wundervoll gemischt wie bei The Last of Us 2. In Ghosts of Tsushima gibt es nur Gut und Böse. Auf der guten Seite stehen die Samurai und ihre Begleiter und auf der anderen Seite die Mongolen mit Dschingis Khans Neffen als Anführer. Durch diese Darstellung wird Khotun Khan leider zu einem Antagonisten ohne Tiefe - ein Bösewicht, wie er schon in vielen anderen Spielen gesehen und vergessen wurde. Aber zum Glück existieren nicht nur Jin und Khan. Denn auf unserem Weg sind wir nicht alleine. Wir treffen alte Bekannte. mit denen bereits eine Hintergrundgeschichte existiert und neue Gefährten, welche uns in diesem aussichtslosen Kampf unterstützen. Hier kommt eine der positivsten Eigenschaften von Ghost of Tsushima zum Tragen: Die Geschichten der Nebencharaktere. Wir können einige Missionen absolvieren, welche uns diese Geschichten näherbringen und ich muss ehrlicherweise gestehen, dass mir durch die Missionen die gesamten Nebencharaktere eigentlich ans Herz gewachsen sind. Viele sind mit der Thematik Rache, Leid und Reue belastet, offenbaren uns aber die Absichten und Gefühle sehr nachvollziehbar. Großartige Arbeit, Sucker Punch!
Angetan hat es mir auch die Optik. Ghosts of Tsushima ist zwar grafisch nicht auf dem Niveau eines The Last of Us 2, aber zaubert trotz allem flüssige Animationen auf den Bildschirm. Außerdem gibt es in der Spielwelt Momente, in denen man einfach nur verharren möchte um zu genießen. Ich male euch nun ein Bild in eure Köpfe: Ein lauer Morgen, seidiger Nebel legt sich über das Grün des Grases. Die ersten Sonnenstrahlen fallen durch die Sakura Bäume und erleuchten die Umgebung in einem strahlend gelben Ton. Das Rauschen des Windes lässt die gefallenen Blätter wirbeln und in all dieser idyllischen Ruhe sitzen wir und sinnieren über unser nächstes Haiku.
Auch wenn, wie gesagt, die Grafik nicht an manch andere Spiele herankommt, wird doch eine malerische Kulissen gezeichnet. Es fühlt sich wie aus einem Guss an. In Kombination mit der sehr guten japanischen Vertonung mit deutschen Untertiteln, hat mich das Spiel immer wieder in seinen Bann gezogen.
Unser Testvideo zu Ghosts of Tsushima


Auch ein Samurai macht Fehler
Auch wenn ich die Spielwelt und Grafik gelobt habe, macht sie doch auch Fehler. Die Forts und Siedlungen sind leider alle zu ähnlich und unterscheiden sich nur im Aufbau. Außerdem hat Ghosts of Tsushima ein Problem mit nahen und fernen Grafikdetails. In sehr naher Ansicht wirkt vieles verpixelt und in der Distanz ebenso, plus aufploppende Objekte. Auch die Gegnertypen sehen sehr oft gleich aus, was Atmosphäre klaut. Ebenfalls sieht man Clipping Fehler häufiger. Es ist immer merkwürdig, wenn Jins Arm in einem Felsen verschwindet. Auf der PS4 Pro gibt es fast, wie immer mittlerweile, die Möglichkeit bessere Bildwiederholrate oder bessere Grafik zu wählen. Die Bildwiederholrate ist zwar nicht grausam, es kann aber vor allem im letzten Abschnitt trotzdem zu Framedrops kommen. Neben der japanischen Originaltonspur können wir uns auch für Deutsch, Englisch und sechs weiter Tonspuren entscheiden. Dabei muss ich sagen, dass die deutsche Tonspur nicht an die englische herankommt und die englische Tonspur wiederum von der japanischen geschlagen wird. Es bietet einfach sehr viel Feeling, die japanischen Sprecher zu hören. Auch die Texte sind nicht immer korrekt übersetzt. Manchmal sind es ein paar Zeichenfehler, laut Informationen aber auch eine Differenz zwischen Gesprochenem und Geschriebenem.
Ghosts of Tsushima ist ab sofort für 54,95 Euro im Handel erhältlich.

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