The Secret World - Test/Review (Update: Wertung)
Zombies, Mutanten, ein freies Skillsystem, keine Rassen - das Online-Rollenspiel The Secret World von Entwicklerteam Funcom sorgt für frischen Wind innerhalb der MMO-Szene.
Von Christoph Miklos am 01.08.2012 - 04:24 Uhr

Fakten

Plattform

PC

Publisher

Electronic Arts

Entwickler

Funcom

Release

03.07 2012

Genre

Online-Rollenspiel

Typ

Vollversion

Pegi

16+

Webseite

Preis

43,95 Euro

Media (43)

Frischer Wind

Zombies, Mutanten, ein freies Skillsystem, keine Rassen - das Online-Rollenspiel The Secret World von Entwicklerteam Funcom sorgt für frischen Wind innerhalb der MMO-Szene. Ob das Konzept aufgegangen ist?
Keine Rassen, kein klassisches Skillsystem
In The Secret World gibt es keine Rassen. Alle spielbaren Charaktere sind Menschen. Stattdessen entscheidet man sich für eine von drei Geheimgesellschaften: Die Templar, die Dragon oder die Illuminati. Eine Möglichkeit zum Wechsel gibt es nicht. Alle drei Fraktionen haben ein unterschiedliches Startgebiet (Templar: Europa, Illuminati: USA, Dragon: Asien) und setzen auf eine eigene Handlung. Doch bereits nach dem Tutorial-Abschnitt, welcher ungefähr 30-40 Minuten in Anspruch nimmt befindet man sich in der offenen Welt, wo alle drei Gesellschaften aufeinander treffen.
Auch beim Skill- und Klassensystem geht Entwicklerteam Funcom einen anderen Weg als die Konkurrenz. The Secret World verzichtet nämlich komplett auf Klassen. Stattdessen kann man seine Erfahrungspunkte völlig frei in Skills investieren und so die „Klasse“ spielen, die man sich vorstellt. Gleichzeitig wird es sogenannte Templates geben, die neuen Spielern helfen sollen, Zugang zum Skillsystem zu finden. Im „Template Monk“ finden sich etwa jene Skills, die ein angehender Nahkampf-Heiler-Hybrid braucht.
Erfahrungspunkte gibt es ganz klassisch für das Töten von Gegnern, Quests, das Erfüllen von Aufgaben für die eigene Geheimgesellschaft, Crafting und PvP. Sobald der Erfahrungsbalken gefüllt ist, bekommt der Charakter einen Skillpunkt. Die gesammelten Punkte werden dann in neue Fähigkeiten investiert. Derzeit gibt es knapp 600 verschiedene Skills im Spiel. Es gibt also keine aufeinander aufbauenden Skillevel wie Feuerball 1, Feuerball 2, Feuerball 3, sondern jeder Skill ist einzigartig. Die zahlreichen Fähigkeiten unterteilen sich in Fernkampf (Pistole, Gewehr, Schrotflinte), Nahkampf (Schwert, Hammer, Schlagring) und Magie (Chaosmagie, Blutmagie, Elementarmagie). Jeder Charakter kann alle diese Skills kaufen, jedoch nur 7 aktive und 7 passive Skills gleichzeitig „ausrüsten“, ähnlich dem System in Guild Wars.
Klingt komplex? Ist es auch - zumal sich The Secret World mit entsprechenden Erklärungen oder Tutorials gar nicht weiter aufhält. Wer wirklich hinter das flexible System steigen will, der muss sich ganz altmodisch einarbeiten - oder alternativ einen der im offiziellen Forum verlinkten Guides studieren.
Questsystem und Belohnungen
Funcoms‘ neustes MMO bietet verschiedene Questarten. Die meiste Zeit wird man mit den den mehrstufigen Hauptmissionen verbringen, die auch Köpfchen voraussetzen. Grundsätzlich gilt: Man kann immer nur eine Hauptmission gleichzeitig aktiv haben. Das wirkt in den ersten Spielminuten etwas befremdlich, weil man aus anderen Spielen gewohnt ist, ganz viele Aufgaben auf einmal anzunehmen. Störend ist dieser Aspekt aber nicht, denn somit leitet das Programm einen ganz brav von Gebiet zu Gebiet. Ebenfalls sehr praktisch: Belohnungen müssen nicht beim Questgeber abgeholt werden, sondern trudeln via Handy ein.
Als kleines Highlight entpuppen sich die sogenannten Untersuchungsmissionen. Man bekommt bei diesen Aufträgen zwar ein paar Hinweise, doch die Lösung musst selbst erarbeitet werden - zum Beispiel, indem man im integrierten Internet-Browser die fingierte Mitarbeiter-Datenbank der fiktiven Orochi-Gruppe durchstöbert. Oder ein Bibelzitat nachschlägt.
Für erfahrene Spielergruppen eignen sich die 5-Mann/Frauen-Dungeons bzw. Raids (10-Mann/Frauen), die mit besonders hartnäckigen Monstern aufwarten. Am Ende einer jeden Instanz hagelt es fetten Loot. Apropos Loot: In The Secret World gibt es kein "Gear" im klassischen Sinne von Rüstungen. An Stelle dessen verfügen Charaktere über eine Art unsichtbarer Ausrüstung den sogenannten Chakren. Diese sind magische Implantate, die - wie auch die Waffen - bestimmte Statistiken und Raten des Charakters verstärken. Insgesamt darf man sich mit sieben Chakras gleichzeitig ausrüsten. Eine Auswirkung auf das Aussehen des Charakters haben die Chakren nicht, denn dafür sind die Kleidungsstücke da, die man als Belohnung für Missionen, Achievements und später auch im Item-Shop erhält. Die Klamotten sind rein optischer Natur und verstärken nicht die Charakter- und Skill-Werte. Dadurch ist es möglich, dass jeder sein Aussehen nach seinen eigenen Vorlieben gestaltet.
Unser Gameplay-Video zu The Secret World

Die Welt
Aktuell besteht die Spielwelt von TSW aus drei Städten (Teile Londons, New Yorks und Seouls) sowie drei großen Regionen (New England / USA, Ägypten und Transylvanien). Alle drei Regionen bestehen wiederum aus mehreren Questgebieten, die direkt miteinander verbunden sind. So besteht New England unter anderem aus den auf Solomons Island gelegenen Zonen Kingsmouth, Accursed Woods, Blue Mountain, Atlanctic Island Park und einigen besonderen Orten wie Kingsmouth Lighthouse, Innsmouth Academie, Overlook Motel und dem Dungeon Polaris. Hinzu kommen die drei Hauptstädte, die Battlegrounds, das große persistente PvP Schlachtfeld in China sowie kleine Quest- und Dungeongebiete. Zwischen den Städten und Regionen reist man via unterirdisches Schnellreisesystems namens Agartha. Mounts bzw. Fahrzeuge gibt es vorerst nicht.
PVP
In London, New York und Seoul findet man die sogenannten „Fight Clubs“. Dabei handelt es sich um eine Arena, in der alles erlaubt ist. In den engen Lokalitäten kann man Duelle gegen Freunde oder ein 10 vs. 10-Match austragen. Wer es taktischer möchte, der muss das Schlachtfeld von Stonehenge besuchen. Das Gameplay dort ist eine Art "King of the Hill": Die Geheimgesellschaften erhalten Punkte dafür, wer die meisten Spieler im inneren Ring von Stonehenge hat. Außerdem gibt es Punkte, wenn man Gegner ausschaltet. Das Kriegsgebiet ist etwas völlig anderes. Es handelt sich um eine permanente PvP-Zone, die rund um die Uhr geöffnet ist. Hier kämpfen die Geheimgesellschaften um wertvolle Anlagen, die dem, der sie kontrolliert, große Macht verschaffen.
Crafting
Auch das Herstellen von Gegenständen (craftig genannt) spielt eine wichtige Rolle im Age of Conan-Nachfolger. Das Baumaterial kann man in Shops kaufen oder findet man bei getöteten Gegnern. Über die Berufe werden neue Waffen oder Chakren erstellt. Dabei geht es ums Ausprobieren, denn Vorlagen und Bauanweisungen gibt es im Spiel nicht. Die Spieler sollen verschiedene Materialien kombinieren, um herauszufinden, was sich daraus bauen lässt. Um zu lernen wie man einen Gegenstand baut, muss man zuerst einen Gegenstand gleicher Art auseinander bauen, um zu verstehen wie dieser funktioniert. Will man also eine bestimmte Pistole bauen, muss man erst ein Modell dieser Pistole finden und es dann zerlegen, um danach zu wissen wie man diese bestimmte Pistole bauen kann. Gleiches gilt für die jeweiligen Präfixe und Suffixe, also die "Stat boosts" des Gegenstands. Will man zum Beispiel eine Waffe bauen, die mehr kritischen Schaden macht, dann muss man zuvor ein Chakra - das kritischen Schaden verleiht - auseinander bauen, um die "Magie" dahinter zu verstehen und erst dann kann man dies auf einen neuen Gegenstand legen.
Technik und Sound
The Secret World basiert auf einer verbesserten Dreamworld Engine, welche bereits in Age of Conan zum Einsatz kam. Der Titel verwöhnt mit hübschen Effekten und recht detaillierten Figuren. Auch die abwechslungsreichen Locations können sich sehen lassen. Weniger löblich: Derzeit leidet das Spiel an heftigen Performance-Einbrüchen. Selbst mit einem High-End-Rechner (Intel Core i7-3930K, GeForce GTX 690, 16GB Arbeitsspeicher, SSD) gibt es immer wieder „unter 10 FPS“-Szenen. Sämtliche Haupt- und Story-Missionen sind à la The Old Republic vollvertont. Kleiner Tipp: Am besten auf die englische Tonspur setzen, da die deutsche Synchronisation arg gewollt klingt. Der düstere Soundtrack sorgt ein zusätzliches Atmosphäreplus.
Die Kosten
Das Spiel kostet einmalig knapp 40 Euro. Danach werden pro Monat 14,99 Euro fällig.

Fazit und Wertung

Christoph meint: Überraschend gutes MMO!

Nach unseren zahlreichen Spielstunden können wir mit einem guten Gewissen behaupten, dass The Secret World ein überaus interessantes Online-Rollenspiel geworden ist. Die Mischung aus toller Story und Sandbox-Welt funktioniert, es gibt herrlich skurrile Typen wie den schrägen Skater-Boy oder die Mitglieder der Hippie-Kommune, die Quests bieten viel mehr Abwechslung als bei der Konkurrenz. Fehlende Hilfestellungen und zum Teil unübersichtliche Interface-Strukturen werden vor allem MMO-Anfänger abschrecken. Erfahrene sowie experimentierfreudige Zocker werden hingegen ihre Freude mit dem freien Skillsystem und den anspruchsvollen Untersuchungsmissionen haben. Mit etwas Feinschliff (vor allem im Bereich „Engine-Optimierung“) und laufenden Content-Updates könnte TSW für lange Zeit begeistern. Schade bloß, dass Funcom aktuell auf ein Abosystem setzt - Free2Play (+Item-Shop) wäre die bessere Wahl gewesen. Vor allem weil mit Guild Wars 2 eine sehr starke Konkurrenz in den Startlöchern steht - welche übrigens ohne monatliche Zahlungen auskommt.

80%
Grafik
8
Sound
8
Bedienung
7
Spielspaß
8
Atmosphäre
8
Preis/Umfang
7
Richtig gut
  • sehr interessantes und originelles Szenario
  • einige richtig gute Questreihen
  • viele Rätsel
  • stimmungsvolle Umgebungen
  • cooles Gegner-Design
  • Trennung von Kleidung und Attributgegenständen
  • flexibles Charaktersystem
  • sinnvolles Handwerkssystem
Verbesserungswürdig
  • überladenes Fähigkeitensystem
  • zäher Einstieg
  • wenig abwechslungsreiches Kampfsystem
  • Item-Shop trotz Monatsgebühren
  • kein merkbarer Unterschied bei den Fraktionen
  • Qualität der Gebiete schwankend
  • ziemlich leblose Städte
  • maues PVP
Anforderungen
• Internet: 512 kbps oder schneller
• Betriebssystem: Windows XP (SP1) / Vista (Sp1) / Windows 7 (SP1)
• Prozessor: 2.6 GHZ Intel Core 2 Duo oder vergleichbarer AMD Prozessor
• Arbeitsspeicher: min. 2GB RAM mit Windows XP / 3GB mit Windows Vista und Windows 7
• Festplattenspeicher: min. 30 GB freier Speicher
• Laufwerk: 8X oder schnelleres DVD-Laufwerk
• Grafikkarte: nVidia 8800 series 512 VRAM oder besser / Radeon HD3850 512 MB oder besser
• DirectX: DirecktX 9.0 c
• Maus und Tastatur
Getestet für
Gamezoom Gaming PC
• Mainboard: ASUS Rampage IV Extreme
• Prozessor: Intel Core i7-3930K @ 4.0 GHz
• Arbeitsspeicher: Kingston HyperX Genesis DIMM XMP Kit 16GB 2133 MHz
• Grafikkarte: NVIDIA GeForce GTX 690
• Prozessorkühler: EKL Alpenföhn K2
• Netzteil: Seasonic Platinum Series 1000W
• Soundkarte: Realtek ALC892 (Onboard)
• Festplatten: 2x Vertex 4 240GB (Raid0)
• Gehäuse: Antec DF-35
• Laufwerke: Samsung Blu-ray DVD-/RW
• Betriebssystem: Windows 7 Home Premium 64-Bit
Christoph Miklos ist nicht nur der „Papa“ von Game-/Hardwarezoom, sondern seit 1998 Technik- und Spiele-Journalist. In seiner Freizeit liest er DC-Comics (BATMAN!), spielt leidenschaftlich gerne World of Warcraft und schaut gerne Star Trek Serien.

1 Kommentar

Mikeko vor 5032 Tagen

Schöner Test mit fairer Wertung, auch wenn ich bei Atmosphäre mind. 9 Punkte gegeben hätte bzw. im Vergleich zu anderen MMORPGs sogar eine 10: - Musik und Soundkulisse sind wie bei allen Funcom MMORPGs wieder erstklassig, - hervorragende Licht-Schatten-Effekte + finsterere Dungeons in denen es so dunkel ist, dass man Taschenlampen braucht, - die Verknüpfung der Lore mit unserer echten Welt, was für viel "immersion" sorgt! Free2Play, Buy2Play und Pay2Play sind absolute Geschmackssache. Ich würde TSW definitiv nicht spielen, wenn es bereits von Beginn an als Free2Play MMORPG konzipiert worden wäre. Denn dafür sind auch die Kosten zu hoch, als dass man eine Vollvertonung + hunderter Zwischensequenz-Videos - hätte machen können, die ja auch bei allen updates fortgesetzt werden müsste. Diese kosten MÜSSEN durch Boxenverkauf und (zumindest zeitweisem Abo) wieder rein geholt werden. Genau auf diese kostenintensiven Features verzichtet GW2 nämlich. Und auch wenn ich glaube, dass GW2 ein schönes Spiel werden wird, mit einigen sehr interessanten Ideen, glaube ich jedoch, dass man in GW2 zumindest als PvEler - so man denn vor hat sagen wir mal 2-3 Jahre durchgehend zu spielen - oft ohne etwas zu tun dastehen wird. Gerade wo die neuen MMORPG Spieler so schnell durch den Content brennen. Bei TSW KÖNNTE dies anders aussehen, wenn die wie bisher jeden Monat neue Updates bringen und dies auch - ähnlich Lotro mit seinen regelmäßigen Updates an "Büchern" (Content-Story-Kapitel) - lange durchhalten. Das erst Update ist bereits live, das Ende August (erster Raid, neue Optionen zur Charakter Customisation usw.) wurde bereits in Teilen vorgestellt, ebenso einige zukünftige Features. Weihnachten sollen z.B. neue Gilden-Features, damit sind mindesten schon mal monatliche Updates für die ersten 6 Monate sicher. :)

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