Konsolen-Desaster

Rund zwei Jahre nach dem Erscheinen von Risen 2: Dark Waters meldet sich Publisher Deep Silver mit Risen 3: Titan Lords zurück! Mit im Schlepptau befindet sich wieder das alteingesessene Entwicklerteam von Piranha Bytes, das nicht nur Risen-Veteranen sondern auch Gothic-Fans ein Begriff sein dürfte. Doch ob auch -wie sein Vorgänger- Risen 3: Titan Lords mit dem deutschen Entwicklerpreis für das beste deutsche Rollenspiel ausgezeichnet wird stellen wir in Frage.
Die Geschichte
Kommen wir zum wahrscheinlich einzigen durchwegs positiven Punkt auf der Tagesordnung: der Geschichte. Die ist den Herren und Damen von Piranha Bytes nämlich richtig gut gelungen. Wir leben in einer mittelalterlichen Welt, die von den Göttern verlassen wurde und unter Titanen leidet. Dem nicht genug wird unserem namenlosen Helden -den ich ab sofort Rufus nennen werde- seine Seele von Schattenkriegern aus der Unterwelt gestohlen woraufhin er natürlich verstirbt und von seiner Schwester Patty beerdigt wird. Gute drei Wochen später wird er allerdings vom Voodoomeister Bones -an den sich Fans der Serie wahrscheinlich erinnern können- zurück ins Leben geholt. Ab sofort läuft Rufus nicht nur ohne Namen sondern auch ohne Seele durch die fikitven Gebiete was ihm die Möglichkeit gibt zwischen der „echten“ und der Schattenwelt umherzureisen. Was unser Ziel ist? - Die Seele unseres Protagonisten aus der Welt der Schatten zurück zu erlangen und natürlich -wie es sich eben für einen wahren Helden gehört- die Welt zu retten! Wie wir unser Ziel erreichen? - Indem wir massenhaft Quests abschließen und Magie erlernen!
Charakterlos!
Ab hier folgt der etwas unschönere Teil unseres Reviews in dem wir euch, wie immer, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit erzählen. Leider gehören dazu auch die Charaktere wie etwa Rufus, der das ganze Spiel über emotionslos durch die Welt läuft. Ich meine: Hallo geht’s noch? Dir wurde gerade die Seele gestohlen und dir fällt nichts Besseres ein, als einen 10-minütigen Dialog mit Bones zu führen, in dem du mit ihm nicht nur in einer Stimmlage redest als wärst du gerade beim gemütlichen Kaffeekränzchen sondern auch noch durchgehend unnatürliche Bewegungsabläufe zeigst? Zweiteres ist übrigens bei allen Charakteren im Spiel zu bemängeln und wirkt durch die Massen an elendslangen Konversationen leider nur noch schlimmer. Neben den Robotercharakteren hinterlässt Risen 3 außerdem das Gefühl, dass die Entscheidungen, die ihr während Gesprächen trefft, meist überhaupt keinen Einfluss auf das Spiel haben.
Auch grafisch ist Risen 3: Titan Lords bei weitem....
….nicht auf dem neuesten Stand.

Besonders auf der Konsole musste ich, da Risen 3 ja „nur“ für die alte Generation erscheint, noch einmal ein anderes Game einlegen. Warum fragt ihr euch? Weil ich mir nicht mehr sicher war ob Spiele auf der PS3/Xbox 360 echt so eine miese Grafik haben. Und um die Antwort vorwegzunehmen: Nein, haben sie nicht - bis auf Risen 3 eben. Neben heftigen Renderingproblemen, verpixelten Schatten und so spät geladenen Texturen sodass man einfärbige Oberflächen erkennen kann, wirken die Konsolen mit dem Spiel oftmals überfordert was sich in dauerndem Ruckeln widerspiegelt - von den etlichen Grafikbugs gar nicht zu sprechen. Selbst die Steuerung ist aufgrund des verzögerten Agierens nach einem Knopfdruck und dem dauernden Ziehen und Wegstecken der Waffen unnötig kompliziert und träge. Leider kann ich der Technik hinter Risen3: Titan Lords kein gutes Wort abgewinnen. Natürlich hat sich im Gegensatz zum Vorgänger -der damals ja auch kein Grafikspektakel war- einiges auffallend verbessert, doch leider ist das Spiel trotzdem weit von heutigen Standards des Rollenspiel-Genres entfernt.

Die Lichtblicke
Zugegeben: Die vorgehenden Punkte mögen ziemlich hart formuliert sein, Risen 3: Titan Lords hat aber auch gute Seiten. Da hätten wir zum Beispiel das Charaktersystem in dem ihr nicht nur massig Skills erlernen könnt sondern das auch von der Wahl der Fraktion (Wächter, Dämonenjäger, Voodoo-Pirat) beeinflusst wird, die Massen an Quests die zu erledigen sind oder verschiedenen Gegner die teils nicht nur verdammt stark sind sondern auch die richtige Taktik erfordern. Nichts desto trotz finden wir in Risen 3: Titan Lords fundamentale Fehler, die alle oben genannten Punkte geradezu vernichten.

1 Kommentar

Herbert um 08.12.2014 - 14:15

Kommt mir ein bisschen halbherzig getestet vor. So dahingerotzt + massig Quests (stimme ich zu, "komm dieser Quest noch!") + großer Umfang (überflüssiger Punkt, pro 1 + pro 4 sagen das aus - vielleicht lange Spielzeit? + interessante Charakterentwicklung (vor allem freie Entwicklung und recht gut balanced, da nicht zu teuer / zu günstig) + große, frei begehbare Spielwelt (volle Zustimmung, teilweise lohnt sich aber nicht jeder Blick am Ende einer "Gasse") mal zu den Contras: – starkes Ruckeln (speziell während dem automatischen Speichern) (ok, PS3 Version halt..) – emotionslose Charaktere (das stimmt stellenweise) – stark veraltete Grafik (joa könnte besser sein) – träge Steuerung (ok, PS3 Version halt..) – unausgereiftes Kampfsystem (Bezug auf Risen 2?! Kampfsystem hat hier den Riesenfortschritt gemacht , die "Sprünge" sind nur etwas unrealistisch) – Kameraführung bei Kämpfen oftmals problematisch (ok, PS3 Version halt..) – kaum integrierte Schattenwelt (überhaupt aufgepasst? Der Geist irrt ewig umher und materieller Besitz gibt es hier nicht. Wofür soll die zusätzlich integriert werden?) – zu viele uninteressante Dialoge (Subjektiver geht es kaum oder) – lange (teils unnötige) Ladezeiten (PS3 halt..) Nur Fans der Serie zu raten, das Spiel zu kaufen, ist übertrieben. Zumal der Punkt "uninteressante Dialoge" überhaupt nicht zutrifft. Das Spiel zeichnet sich ausserdem durch seinen trockenen und schwarzen Humor aus, was in diesem Test offensichtlich als emotionslos bewertet wird.

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