Gothic Remake - Test/Review
Das Jahr 2001. Der kleine Lars ist gerade 8 Jahre alt, jeder rechnet noch in D-Mark und Piranha Bytes bringt das grim-dark Fantasy-Epos Gothic heraus.
Von Lars Hack am 29.06.2026 - 07:15 Uhr

Fakten

Plattformen

PlayStation 5 Pro

Xbox Series S

Xbox Series X

PlayStation 5

PC

Publisher

THQ Nordic

Entwickler

Alkimia Interactive

Release

05.06 2026

Genre

Action-RPG

Typ

Vollversion

Pegi

16

Webseite

Preis

49,99 Euro

Media (12)

Noch immer ein Meisterwerk?


Das Jahr 2001. Der kleine Lars ist gerade 8 Jahre alt, jeder rechnet noch in D-Mark und Piranha Bytes bringt das grim-dark Fantasy-Epos Gothic heraus. Heute, 25 Jahre später, beschert uns Publisher THQ Nordic ein Jahrzehnte-starkes Déjà Vu: Entwickler Alkimia Interactive hat das Minen-Abenteuer neu aufgelegt, rundum erneuert, frisch angestrichen und schickt uns zurück in das Minental von Khorinis.

Postbote im Gefängnis


Seien wir ehrlich, wir alle haben Gothic 1 gespielt. Alle. Selbst die, die nicht das digitale Abenteuer erlebt haben. Ich bin davon überzeugt, dass Gothic 1 einfach fest in unser aller Gedächtnis, generationenübergreifend, verwurzelt ist. Weil ich aber bereits weiß, dass Christoph zumindest ein bisschen Story von mir haben will, bring ich euch die Kurzversion. Und danach schauen wir darauf, was sich in einem Vierteljahrhundert alles im Minental verändern kann, ja? Das Königreich Myrtana. Geeint durch König Rhobar sollte eigentlich alles gut laufen, allerdings befinden wir uns im Krieg gegen die Orks, die größer, stärker und insgesamt ziemlich erfolgreich sind. Was der König braucht, sind Waffen, bestenfalls aus magischem Erz. Das Beste kommt aus dem Minental der Insel Khorinis, in das fortan alle Gefangenen des Reiches als Zwangsarbeiter geworfen werden. Auch wir, ein namenloser Held, finden uns plötzlich am Rande des Minentals wieder. Jenes wird von einer magischen Barriere umschlossen, die zwar Menschen hineinlässt, aber nicht wieder hinaus. Bevor man uns schließlich in die Kolonie wirft, bekommen wir noch einen Brief für die ebenfalls eingesperrten Feuermagier. Einen Moment später sind wir ein Gefangener im Minental. Statt uns wie fast alle Gefangenen damit abzufinden, dass wir für immer in der magischen Barriere gefangen sind, machen wir uns allerdings nach unserer ersten Abreibung auf, um das Unmögliche zu bewerkstelligen: Ausbruch aus dem Minental von Khorinis. Auf dem Weg legen wir uns mit Erzbaronen, Monstern und Schlimmerem ab. Es ist eben nicht einfach, ein auserwählter Held zu sein.

Minental im neuen Gewand


Vom ersten Moment an merken wir, dass die Entwickler des Remakes mit viel Liebe zum Detail und einer gehörigen Portion Nostalgie ans Werk gehen. Die Szenen, Orte und Gespräche fühlen sich direkt an wie damals, mit einer fiesen Schnauze von der ersten Begrüßung an und einem Tod von Monsterhand nur wenige Meter vom ausgetreten Pfad entfernt. Wer sich also Sorgen gemacht hat, dass das Gothic-Feeling im Remake den Weg aus der Barriere hinaus gefunden hat, darf sich ganz entspannen. Aber das heißt nicht, dass man beim spanischen Entwicklerteam nicht auch ordentlich am Original geschliffen hat. Kaum haben wir die erste rostige Waffe gefunden und ausgerüstet, tauchen wir in das neue Kampfsystem ein. Statt relativ stationär vor uns her zu schwingen, wechseln wir verschiedene Attacken ab, blocken Attacken und haben jetzt sogar den inzwischen Genre-legendären Ausweichstep zur Verfügung. Kämpfe laufen ab jetzt also wesentlich mobiler und dynamischer ab als wir es von damals kennen. Und sogar Fans des entfernten Todes dürfen sich freuen: Unsere Fernkampf-Treffer mit Bogen, Armbrust oder auch Magie hängen jetzt ganz von uns ab, dank Fadenkreuz. Von da an finden wir immer wieder kleine Neuerungen und Änderungen. Direkt im Alten Lager, das erste Quest Hub und eine der drei anschließbaren Fraktionen, begegnen uns neue Quests und neue Charaktere. Zum Beispiel finden wir dort nun einen Feuermagier, der täglich aus der Burg herauskommt und uns mit ersten Zauberrunen versorgen kann, wenn wir uns in die Richtung spezialisieren wollen. Früher mussten wir lange warten, bevor wir wirklich auf Magie setzen konnten und oft hatte man seinen Charakter bis dahin bereits zum Kämpfer gemacht. Während die Spielwelt zu größten Teilen wie bekannt beibehalten wurde, sorgen das neue grafische Gewand und eben auch leichte Änderungen dafür, dass wir immer wieder mit frischem Blick auf unser geliebtes Minental schauen. Das Sumpflager ist chaotischer als je zuvor (hoffentlich gewollt), die Wälder tiefer und dunkler und auch so manche Questlocation kann sich über ein Update freuen. Immer wieder gibt es neue Dinge zu entdecken. Allerdings hat man für das Remake nicht nur die Optik und manche Spielmechaniken angepasst, sondern auch ein paar neue Passagen in die Story mit eingeflochten. Ich will hier nicht spoilern, deswegen nur ein paar Ideen: Wir lernen früher von der Lager-übergreifenden Gruppe an Halunken, die wir bereits damals geliebt haben. Bosskämpfe wurden neu gestaltet und bestehen nicht mehr nur aus dem Schwingen unserer Waffe. Und auch Locations, die im Original lediglich Beiwerk waren, wurden ausgearbeitet, haben Charakter erhalten und bringen abermals neue Quests mit. Dazu kommen smarte Erweiterungen von dem, was wir alle bereits kennen. Auch hier nur ein Beispiel: wir können reiten lernen! Natürlich gibt es keine Pferde im Minental (oder sonstwo in der Welt von Gothic). Deswegen reiten wir auf einem treuen Scavenger, sofern wir den dafür passenden Lehrer finden und seine Questreihe abschließen. Von da an reißen wir mit Stil und Tempo durch das erzreiche Gefängnis!

Nur wenige Stolperer hinter der Barriere


All die Neuerungen und leichten Abwandlungen fügen sich insgesamt recht gut ins Gesamtkonzept ein. Das Remake-Prinzip “Kern erhalten, Fehler fixen, passend erweitern” ist dem Team allemal gut gelungen. Die deutsche Synchronisation ist wie damals fabelhaft, ebenso die Reise vom recht schwächlichen Neuzugang hin zum Helden, der tief in die Geheimnisse der Barriere eintaucht. Deswegen gibt es tatsächlich nur wenig, was man wirklich ankreiden kann. Allen voran aber: gelegentliche FPS-Drops schmuggeln sich immer mal wieder ins Spielgeschehen ein. Und während meines Tests habe ich sogar eine Absturz-verursachenden Molerat gefunden! Wann immer ich das Monster im Nahkampf erschlagen habe, stürzte das Spiel ab. Erst das Erlegen aus der Ferne hat das Problem gelöst. Zum Glück sind solche Meta-Monster aber nicht die Regel und sonst läuft das Spiel recht frei von solchen Problemen. Eine altbekannte Herausforderung hat sich dann aber trotzdem wieder eingeschlichen: Die Kamera. Im Vergleich zu damals hat diese zwar einen smarten Sprung nach vorne gemacht, aber gerade in engen Umgebungen wie Hütten, Minen oder eben den Höhlen von Waldmonstern nimmt uns diese schnell mal die Übersicht und provoziert einen Tod. Wir lernen aber zum Glück rasch, die Schnellspeichern-Taste zu lieben. Zu guter Letzt kann man, als Gothic-Purist, über Story-Neuerungen streiten. Das ist ein sehr individueller Kritikpunkt. Spieler des Originals wissen, dass sich die Minenkolonie im Laufe des Spiels verändert. Das kann auch heißen, dass man Zugang zu bestimmten Lehrern verliert, zum Beispiel. Das Remake ist da wesentlich verzeihender: wirkliche Gebietssperrungen gibt es nicht mehr so richtig, manche Storypunkte, die früher nur erzählt wurden, werden nun in Cutscenes dargestellt, und an manchen Ecken spüren wir einfach mehr Entgegenkommen gegenüber einer modernen Spielerschaft. Stören tut das nicht wirklich, zumindest mich nicht, als großer Gothic-Fan. Aber da draußen wird es definitiv Puristen geben, denen es aufstößt.
Andere Kritikpunkte, die die Community seit Release aufgeworfen hat, sehe ich weniger als Kritikpunkte. Ein Beispiel? Das Schlösserknacken. Statt dem damaligen Rechts-Links-Herumprobieren erwartet uns nun ein mal mehr, mal weniger herausfordernden Logik-Rätsel, das mit steigender Schlösserknack-Kunst einfacher wird. Viele maulen darüber. Aber für mich ist das definitiv eine Verbesserung gegenüber damals. Man muss einfach mal etwas mehr den Kopf anstrengen.

Fazit & Wertung

Lars meint: Nostalgie trifft modernes Gaming!

Der ursprüngliche Gothic-Entwickler Piranha Bytes hat damals definitiv eine großartige Vorlage geliefert: die Story um den namenlosen Held hat vor 25 Jahren Gamer begeistert und auch die Neu-Auflage hat das Zeug, in den Köpfen einer neuen Generation (und Veteranen) zu bleiben. Entwickler Alkimia Interactive hat mit viel Feingefühl alte Mechaniken und Storys aufgegriffen, modernisiert, aufgehübscht und uns erneut ins Minental geworfen.

Ob ihr zum ersten Mal nach Khorinis gelangt oder ein geliebtes Abenteuer noch einmal erleben wollt, hier seid ihr richtig. Das gleiche, raue Feeling wie damals erwartet euch, mit einem besseren Kampfsystem, neuen Quests und Stories, smarten Erweiterungen wie dem Reiten und einer an vielen Stellen optimierten Erfahrung.

Okay, ein paar technische Mängel bleiben und man kann nur hoffen, dass diese rasch gepatcht werden. Und auch ein paar Story-Entscheidungen laden dazu ein, darüber zu diskutieren. Aber unterm Strich? Wenn ihr Spaß an Gothic damals hattet oder raue Fantasie liebt, dann habt ihr mit dem Gothic 1 Remake ein großartiges Abenteuer vor euch.

83%
Grafik
81
Sound
85
Bedienung
76
Spielspaß
86
Atmosphäre
89
Preis/Umfang
80
Richtig gut
  • alte Stärken neu aufgelegt
  • überarbeitete Systeme - zum Beispiel der Kampf!
  • smarte Weiterentwicklungen
  • neues Gewand, das Veteranen trotzdem bekannt vorkommt
  • frischer Content erweitert bekannte Spielwelt
  • Fix von Bugs in der Story
Verbesserungswürdig
  • gelegentliche Abstürze und FPS-Einbrüche
  • Storyupdates, die etwas aufgesetzt wirken
  • Kameraschwierigkeiten in Höhlen und engen Umgebungen
Anforderungen
PC MINDESTANFORDERUNGEN:
• Betriebssystem: Windows 10 64bit / Windows 11 64bit
• Prozessor: Intel Core i7-7700K / AMD Ryzen 5 1600X
• Arbeitsspeicher: 16 GB RAM
• Grafik: 8 GB VRAM, AMD RX 6700 XT or NVIDIA GeForce RTX 2070
• DirectX: Version 12
• Speicherplatz: 60 GB verfügbarer Speicherplatz
• Soundkarte: DirectX compatible
• Zusätzliche Anmerkungen: Needs an SSD or better NVMe disk

• Microsoft Xbox Series X|S Konsole
• Sony PlayStation 5 (Pro) Konsole
Getestet für
PC
Lars Hack Konnte Lars zuerst laufen oder den Controller einer SNES bedienen? Die Frage ist bis heute nicht sicher geklärt. Klar ist, dass er sein Herz seit damals an Videospiele verloren hat.

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