Hartes Wikingerleben?

Grüne Gestade locken, meine Freunde, an deren regenverhangenen Küsten wir entweder reiches Land zum Leben finden oder den Ruhm, der uns in die goldenen Hallen des Allvaters führt – Vallhalla! Ich rede natürlich über den neuen, gleichnamigen Assassins Creed-Titel aus dem Hause Ubisoft, in dem es uns dieses Mal in die Ära der Wikinger verschlägt. Auch wir haben uns über das Meer gewagt und waren... Nun, etwas ernüchtert.
Der Stoff für Skalden
Unsere Saga beginnt, wie die meisten großartigen Geschichten es tun: Einer Tragödie. Als junger Eivor nahmen wir gerade noch gemeinsam mit unseren glücklichen Eltern an einem Festmahl zu Ehren unseres norwegischen Königs teil, als das Langhaus jäh von einem langjährigen Fehdefeind unseres Clans angegriffen wird. Wir teilen das Schicksal von oh so vielen tragischen Helden – wir müssen mit ansehen, wie unsere Eltern vor unseren Augen dahingemetzelt werden.
Uns bleibt nur die Flucht, die wir mehr oder wenig erfolgreich bewältigen... Und bekommen die Frage gestellt, ob wir das Spiel fortan als weiblicher oder männlicher Eivor spielen wollen ODER ob wir eine Mischung bevorzugen, in dem das Spiel entscheidet, welche Passage wir als Mann, welche als Frau absolvieren. Nach einem Sprung in die Zukunft sind wir nicht länger das verschreckte Kind von damals, sondern der Ziehsohn (oder -tochter) unseres Königs, der dereinst auch nichts gegen den Mord an unseren Eltern tun konnte. Aber wir wollen verdammt sein, wenn wir uns nicht an jenem Clansfeind rächen! Gemeinsam mit unserem Ziehbruder, Sigurd, der jüngst von einer Plünderfahrt quer durch das Mittelmeer und bis nach Konstantinopel zurückkehrte, erledigen wir das auf die Heiden-Art – versammelt die Langschiffe! Wir überfallen die Festen unserer Feinde. Aber für uns haben die Götter mehr in petto als die schneeumwehten Gebirge und eisigen Fjorde unserer Heimat. Unser Weg nach Valhalla führt uns hinaus in die Welt, an die Küsten Englands, an denen sich niemand geringeres als Ragnar Lodbrok vor einigen Jahren ansiedelte (Zuschauer der Serie Vikings haben also irgendwie den Prolog für AC: Valhalla geschaut). Was für Geheimnisse erwarten uns dort? Was haben die weißgewandeten Gäste mit all dem zu tun, die Sigurd aus Konstantinopel mit sich brachte und die versteckten Klingen an ihren Handgelenken tragen? Und warum ist ein mysteriöser Orden eine Gefahr für die jungen Wikinger-Königreiche in England? Die Antworten liegen nur eine Langschiff-Reise entfernt.
Auf den Ruinen der Altvorderen
Die Landschaft Englands mag mit römischen Ruinen übersät sein, auch ihre Städte haben diese Angelsachsen auf den Grundfesten italienischer Vorfahren errichtet... Wir aber suchen uns unseresgleichen für unsere Landung im britischen Königreich Mercia! Wir legen mit unserem Schiff zum ersten Mal in einer verlassenen Siedlung der Ragnarsons an. Kurzerhand wird das verlassene Lager umbenannt, damit wir uns als Rabenclan dort heimisch fühlen, und schon kann unser Aufstieg als Territorialmacht beginnen! Hier liegt das erste neue Feature von Valhalla: Die Siedlungsverwaltung. Wer hier jetzt aber allzu viel Finesse erwartet, kann seine Erwartungen direkt zurückschrauben. Zu Beginn haben wir nur ein Langhaus und jede Menge Zelte. Jedes der Zelte steht für eine zukünftige Behausung, die wir erst errichten müssen, wenn wir genügend Vorräte haben. Dadurch schalten wir nach für nach Dienstleistungen frei. Spendieren wir beispielsweise unseren Schiffsbauern ein Haus, können wir fortan unser Langschiff customizen. Schaffen wir eine Bleibe für unsere Jäger, können wir dort Erjagtes in bare Münze verwandeln und in den eigenen vier Wänden bietet uns auch eine Händlerin ihre Ware an. Im Grunde schalten wir mit jedem Gebäude entweder optische Optionen, Quests, Verkaufsgelegenheiten oder temporäre Buffs frei, die wir durch ein Festmahl im Langhaus aktivieren. Zwischendrin haben wir immer wieder die Möglichkeit, Siedlungs-Accessoires zu verteilen, wie Götterstatuen, Brunnen oder Drachenfiguren. Um uns überhaupt eine Heimat aufzubauen, brauchen wir Vorräte, die wir von wenig-ahnenden Klöstern der Umgebung plündern. Also rein in unser Langboot und ab auf den Fluss! Wenn die Angelsachsen nicht gewollt hätten, dass man sie so leicht überfallen kann, hätten sie sich ein Land mit weniger gut vernetzten Wasserwegen suchen sollen, nicht? Haben wir ein passendes Ziel gefunden, nehmen wir Kollisionskurs auf die Küste und blasen zum Angriff. Unsere getreue Mannschaft stürmt anschließend die Anlage und wir stürzen uns mitten hinein. Zwischen dem gelegentlichen erschlagenen Gegner suchen wir aber eigentlich nur nach Vorratskisten, die wir mithilfe unserer Wikinger-Gesellen öffnen – haben wir das mit allen markierten Truhen gemacht, ist der Raid beendet. Das ist die ersten paar Male noch nett, verliert aber spätestens beim dritten Mal an Reiz. Ähnlich geht es leider den Burgbelagerungen, denen wir im Laufe der verschiedenen Hauptquests begegnen. Aber fangen wir DAS Thema von vorne an: England ist nicht nur in Königreiche, sondern in Provinzen unterteilt. Da wir die neuen im Lande sind, müssen wir uns natürlich erstmal Freunde machen und können uns auf der Allianzkarte in unserem Langhaus die Aufgabe stellen, eine benachbarte Provinz zu befreunden. Das läuft meistens so ab, dass wir einer Opposition zur Macht verhelfen oder einen schwachen Herrscher unterstützen – die Hauptquests sind vorgegeben, ihr könnt euch das nicht aussuchen. Oft endet solch ein Hauptquest-Strang dann in der Belagerung der feindlichen Burg, die es zu erstürmen gilt. Dabei greifen wir nicht auf irgendwelche coolen Streitkräfte zurück, die wir in unserer Siedlung zusammenstellen, sondern auf gesichtslose Wikinger und Angelsachsen. Die Belagerung ist dann Schema F: Dutzende Kämpfer auf beiden Seiten kämpfen vor der Burg. Wir, als Ninja-Wikinger, klettern über das Torhaus, nähern uns dem Tor von hinten und schlagen das Schloss auf. Jetzt kämpfen unsere Soldaten im Innenhof. Übers Burgtor klettern, von hinten aufmachen, Kampf um den Bergfried. Dann zeigt sich der böse Oberfeind. Wir erschlagen ihn. Und schon haben uns die Götter den Sieg gebracht! Dabei setzt Valhalla auf das gleiche Equipment-System, das wir in der Vergangenheit bei Origins gelobt, bei Odyssey schon als etwas uninspirierter empfunden haben. Wir haben verschiedene Ausrüstungsslots, die wir nach Belieben mit Rüstungen und Waffen füllen, die alle ihre eigenen Werte haben. Für ein bisschen Customization können wir Equipment mit Runen ausstatten, die uns kleine Boni geben, wie mehr Schaden oder besserer Fernkampf. Von Äxten über Hämmer bis Speeren haben wir in Sachen Waffen ein wenig Auswahl, welches Moveset uns eher zusagt – Speere haben die Reichweite, aber mit Hämmern schlagen wir Gegner zu Boden und machen sie anfällig für weitere Attacken zum Beispiel.
Dazwischen sammeln wir Ressourcen für Upgrades, klettern auf Türme, um Landschaften aufzudecken, und finden die gelegentliche Quest, einfach beim Herumgehen. Wir haben einem Farmer bei seinem Rattenproblem geholfen, in dem wir eine feline Flut im Nachbarhaus freigelassen haben! Außerdem gibt es die gelegentliche Nebenaktivität, wie Wettrinken... Wikinger halt, nicht wahr? Dafür sammeln wir bei allem, was wir tun, Erfahrung. Bei einem LevelUp verteilen wir unsere harterkämpften Punkte dann in einem ausufernden Skillbaum, in dem wir zahlreiche kleine Boni und einige passive Skills abgreifen können.

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