Lords of the Fallen (2023) - Test/Review
Ja, viele Leute kennen den Namen Lords of the Fallen bereits. Das liegt daran, dass bereits 2014 ein Spiel mit dem gleichen Namen von Deck 13 veröffentlicht wurde.
Von Timm Woita am 02.11.2023 - 06:35 Uhr

Fakten

Plattformen

Xbox Series S

Xbox Series X

PlayStation 5

PC

Publisher

CI Games

Entwickler

HEXWORKS

Release

13.10 2023

Genre

Action-RPG

Typ

Vollversion

Pegi

18

Webseite

Media (14)

Bessere Dark Souls?


Ja, viele Leute kennen den Namen Lords of the Fallen bereits. Das liegt daran, dass bereits 2014 ein Spiel mit dem gleichen Namen von Deck 13 veröffentlicht wurde. Das war der erste Ausflug von Deck 13 in das Souls-like Genre und wurde mit ziemlich schlechten Kritiken überhäuft. Aber können Hexworks und CI Games dem Namen zu neuer Pracht verhelfen? Oder wird es wieder ein eher mäßiges Lords of the Fallen?

Das Spiel mit dem Sequel


Das neue Lords of the Fallen ist im Endeffekt nicht das gleiche Spiel wie in 2014, sondern versteht sich als Sequel. Die gesamte Geschichte ist circa 1000 Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers angesiedelt, dennoch ist der Hintergrund unserer Reise natürlich wieder mal der Kampf zwischen Gut und Böse, der lang anhaltende Kampf zwischen Heiligen Wächtern und dem Dämonenkönig Adyr. Unsere Gegner wollen nämlich, dass Adyr endlich wieder Chaos, Unheil und Tod heraufbeschwört und versuchen, dies mit allen Mitteln zu erreichen. Zusätzliche Infos zu der Hintergrundgeschichte erfahren wir, wie aus anderen Souls-like Spielen, durch die Gespräche mit NPCs, über Item-Beschreibungen oder Schriftstücke, die in der Spielwelt von Axiom gefunden werden können. Insgesamt ist die Geschichte zwar sehr gut erzählt, aber sie versteckt sich häufig auch hinter vielen kryptischen Informationen. Ebenfalls typisch ist das Erstellen eines Charakters zu Beginn der Geschichte mit anschließender Klassenwahl. Insgesamt stehen uns neun verschiedene Klassen am Anfang zur Verfügung. Vier weitere Klassen können mit Abschluss des Spiels freigeschaltet werden. Die Klassen unterscheiden sich in Ausrüstung und den sechs Attributen sehr stark, sodass eigentlich für jeden eine passende Klasse am Anfang verfügbar ist. Im Laufe des Spiels habt ihr natürlich die Möglichkeit, euren Charakter mit Hilfe von Kraft (dem Gegenstück der Seelen aus Dark Souls) aufzuleveln und in die verschiedenen Attribute zu investieren. Persönlich habe ich mich für den Udirangr-Kriegswolf entschieden. Dieser startet bereits mit einem hohen Stärkewert und einem großen Schwert, das erstens ordentlich Reichweite hat, aber auch hohen Schadensoutput mitbringt. Gesagt, getan. Charakter erstellt, nach meinen eigenen Wünschen individualisiert und ab ging es in die Welt von Lords of the Fallen. Der Anfang wird mit vielen kleineren und größeren Tutorial Abschnitten versehen, um die Grundtechniken des Spiels zu lernen. Denn Lords of the Fallen vereint viele unterschiedliche Mechaniken aus den verschiedensten Souls-like Spielen und implementiert sie mal mehr, mal weniger gut. Nehmen wir das Blocken. Visieren wir einen Gegner an, so sehen wir einen kleinen Kreis. Dieser verringert sich immer weiter mit jedem erfolgreichen Angriff. Schneller nimmt dieser Kreis mit einem perfekten Block ab. Ist dieser Kreis komplett geleert und wir treffen einen Block, einen aufgeladenen Schlag oder treten den Gegner, können wir eine verheerende Attacke starten, mit extrem hohem Schaden. Blocken ist aber auch für eine andere Sache sehr wichtig, nämlich für unsere Gesundheit. Wie im zuletzt erschienenen Lies of P, verlieren wir unsere Lebenspunkte nicht direkt, wenn wir Blocken. Wir nehmen zwar Schaden, können diesen aber durch Angriffe wieder ausgleichen. Nur bei direkten Treffern ist dies nicht möglich. Bei einem perfekten Block verlieren wir sogar überhaupt keine Lebenspunkte. Das ganze fühlt sich sehr gut umgesetzt an, bietet aber von technischer Seite her einige Probleme, auf die ich später noch zu sprechen komme. Das Kampfsystem von Lords of the Fallen ist insgesamt sehr gut gelungen und fühlt sich nicht mehr so träge und unausgereift an wie bei der 2014er Variante. Trotzdem ist es nicht auf dem Niveau eines Elden Rings oder auch eines Lies of P. Denn ein Problem ist, dass mein Charakter augenscheinlich von sämtlicher Gravitation befreit ist. Bei Attacken mit einem Großschwert schieße ich teilweise meterweit nach vorne, drehe mich im Anschluss mehrfach im Kreis und verteile Schläge, nur um dadurch von einer Klippe zu stürzen und zu sterben. Die Eigenheiten der Attacken lernt man aber nach einer gewissen Zeit, auch wenn ich mich immer wieder dabei erwische, mit einer Ausweichrolle meinen drohenden Freiflug verhindern zu müssen.

Bosse, Bosse, Bosse


Davon hat Lords of the Fallen mittlerweile jede Menge zu bieten. Im ersten Lords of the Fallen gab es insgesamt 10 Bosse, die wir besiegen konnten. Im Sequel sehen wir in circa 20 Stunden von 30 bis 40 Stunden Spielzeit schon genauso viele. Insgesamt soll es laut Twitter sogar 30 Bosse geben. Das macht Lords of the Fallen aber auch nochmal um einiges herausfordernder. Denn die Schwierigkeitsstufe steigt nicht konstant, sondern schwankt mitunter sehr stark. Während ich bei einigen der späteren Bosse nur zwei bis drei Anläufe brauchte, habe ich gerade bei den ersten zwei Bossen sehr viele Nerven gelassen und habe immer wieder gegrindet, bis ich sie dann endlich bezwungen habe. Es gab sogar ganze Areale, in denen ich teilweise das Gefühl hatte, dass die Menge und Stärke der Gegner zu stark variieren und das Spiel insgesamt teilweise unfair machten. Eine der anderen großen Stärken von Lords of the Fallen ist aber definitiv auch das Gegner-Design. Hier gibt es nämlich wirklich viel zu sehen und die verschiedenen Gegner benötigen auch alle eine andere Strategie. Die Bosskämpfe spielen bei Design und Epochalität nochmal auf einem anderen Level. Was aber ein großes Problem darstellt, ist die fehlende Vielfalt. Denn hier kommt in Lords of the Fallen leider sehr schnell das Gefühl der Monotonie auf. Es gibt nur wenige Biom-spezifische Gegner wie Pestdoktoren. Ansonsten werden viele Gegner leider sehr oft recycelt. Die Spielwelt selbst ist mit den verschiedenen Biomen extrem gut gestaltet. Es ist nicht mehr so trist und gleich wie im Prequel. Hier hat Hexwork wirklich sehr gute Arbeit geleistet. Egal ob von blutroten Ranken befallene Kloster, Burgen, giftig brodelnde Sümpfe oder funkelnde Eislandschaften. Lords of the Fallen bietet beim Design der Welt wirklich sehr viel zu sehen an, die Landschaften sind einfach in sich stimmig designt und sehen wunderbar aus. Besonderes Lob verdient die Möglichkeit, in eine zweite Welt einzutauchen. Ein Alleinstellungsmerkmal von Lords of the Fallen ist nämlich die Umbral-Welt. Diese spiegelt im Endeffekt das Reich der Toten wider und beherbergt einige andere Gefahren als die bereits existierenden. Mit der Umbral-Welt müssen wir im Spielverlauf immer wieder interagieren. Nehmen wir als Beispiel ein Tor, das für uns eine Sackgasse darstellt. Nehmen wir jetzt die Umbral-Lampe in die Hand und leuchten auf dieses Tor, kann es sein, dass in der anderen Welt die Gitter nicht mehr da sind, sodass wir nun durch dieses Tor gehen könnten. Aber es gibt auch Abschnitte, in denen wir die Umbral-Welt komplett betreten müssen. Dafür können wir durch einen Riss treten und befinden uns in einer komplett ausgegrauten Welt, in der plötzlich überall knöcherne Strukturen zu sehen sind. Diese sind meistens notwendig, um in den einzelnen Bereichen weiterzukommen, zum Beispiel um Leitern zu erreichen oder auch um Shortcuts freizuschalten. Die Gefahren der Umbral-Welt sind aber, dass zu den normalen Gegnern in der Welt noch Umbral-Monster Jagd auf euch machen. Das sind immer wieder spawnende Gegner, die, je länger ihr in der Umbral-Welt bleibt, stärker werden, bis euch der Tod persönlich besucht. Der letzte Weg, die Umbral-Welt zu betreten, ist der Tod. Solltet ihr in einem Kampf sterben, ist das nicht das Ende, sondern ihr bekommt eine zweite Chance. Stirbt man dann erneut, war es das aber und man nimmt Platz am letzten Lagerfeuer.

Grafisch hui, technisch so lala


Lords of the Fallen nutzt für seine Grafik die Unreal Engine 5. Diese zaubert, wie oben bereits erwähnt, wunderbare Landschaften und ein hervorragendes Gegner-Design auf den Bildschirm. Insgesamt zählt das Spiel wirklich zu einem der schönsten Souls-like Spiele, ist aber trotz der grafischen Pracht natürlich nicht in der Lage, mit einem Cyberpunk 2077 zu konkurrieren. Außerdem bietet die Unreal Engine 5 in Lords of the Fallen noch einige Probleme. Darunter wären zum einen plötzlich aufploppende Texturen, aber auch immer wieder auftretende FPS-Drops. Das ist leider auch der Grund, weswegen das Block-System nicht ganz so gut von der Hand geht wie in vielen anderen Souls-like-Titeln. Denn häufig hatte ich genau in dem Moment einen FPS-Drop, in dem ich hätte blocken müssen. Da das Zeitfenster recht klein ist, habe ich immer wieder Schläge abbekommen, die ich eigentlich nicht hätte kassieren sollen. Dies ist zwar nur bei etwas größeren Gegnergruppen der Fall, auf diese treffen wir aber recht häufig. Bei den Bosskämpfen war es dafür immer mein eigenes Unvermögen. Es sollte noch erwähnt werden, dass durch den Day One-Patch die wirklich üblen Probleme von Lords of the Fallen behoben wurden. Sonst müsste man hier über FPS-Drops bis auf 20 FPS sprechen und das Problem, dass sich dies über längere Zeit festsetzt. Audiotechnisch fährt Lords of the Fallen im Grunde die gleiche Schiene, die jedes Souls-like fährt. Die Erkundung der Umgebung und die einzelnen Gebiete werden mit einer geringen musikalischen Untermalung begleitet. Im Hauptfokus liegt hier das Klirren der Schwerter, das Stöhnen der Gegner oder das Schreien unseres Hauptcharakters. Betreten wir aber einen Bossraum, wird es laut. Epische Musik mit Chören und Orchestern geben sich ein geniales Stelldichein und untermalen die Gefahr des Kampfes gegen einen riesigen Boss perfekt. Selbst die englische Vertonung der NPCs ist auf einem sehr guten Niveau. Wobei die Menge an Sprechzeit natürlich eher begrenzt ist. Trotzdem passt die musikalische und audiotechnische Untermalung bei Lords of the Fallen perfekt zu seiner kryptischen und gut designten Spielwelt. Ein anderes Problem ist der vorher hochgepriesene Multiplayer-Modus. Von seitens Hexwork wurde gesagt, dass Lords of the Fallen komplett mit einem anderen Spieler gespielt werden kann. Dies ist aber nur teilweise korrekt. Denn im Multiplayer-Modus ist der beitretende Freund relativ außen vor. Er hört und sieht keine Gespräche mit NPCs, kann keine Türen und Kisten öffnen und er kann den Spieler, welcher das Game hostet, auch nicht wiederbeleben. Das ist für viele Leute leider ein Knackpunkt und ist für mich persönlich auch kein wirklicher Multiplayer-Modus.
Lords of the Fallen ist seit dem 13. Oktober 2023 für Windows-PC, Series X/S und PlayStation 5 ab 46,95 Euro erhältlich.

Fazit & Wertung

Timm meint: Ein starkes Prequel zu Lords of the Fallen, das aber durch technische Mängel geschmälert wird!

Ja, Lords of the Fallen ist definitiv kein schlechtes Souls-like. Es macht auch sehr vieles besser als der gleichnamige Vorgänger. Die Spielwelt ist extrem gut designt, die Gegner ebenfalls und das Spiel bietet einiges an Spielzeit. Aber es leidet auch an technischen Schwächen, wie aufploppende Texturen oder FPS-Drops. Dadurch schwächeln auch die Spielmechaniken teilweise. Ebenfalls ist der Schwierigkeitsgrad stellenweise fast schon unfair und man wird intermittierend zum Grinden gezwungen. ABER: Lords of the Fallen fühlt sich trotzdem insgesamt sehr rund an und bietet viel zum Entdecken. Die vielen Bosse haben einige Aha-Momente und die Umbral-Welt ist einfach klasse aufgemacht. Das Kampfsystem fühlt sich nach ein bisschen Eingewöhnung auch mehr als zufriedenstellend an. Wer auch nur ein bisschen Lust hat, in die Welt von Mournestedt zu gehen und ein paar Predigern von Adyr auf die Nase zu hauen, kann dies ohne große Bedenken tun.

78%
Grafik
8
Sound
9
Bedienung
8
Spielspaß
8
Atmosphäre
8
Multiplayer
5
Preis/Umfang
8
Richtig gut
  • Unreal Engine 5 bringt eine extrem schöne Spielwelt auf den Bildschirm…
  • gutes Kampfsystem, …
  • Gegner sehen verdammt gut aus, …
  • sehr viele Bosse, einige mit Aha-Momenten, …
  • starkes Sounddesign
  • Umbral-Welt ist ein Alleinstellungsmerkmal
  • sehr unterschiedliche Biome mit schönem Artdesign
Verbesserungswürdig
  • … hat aber technische Probleme wie FPS-Drops, aufploppende Texturen
  • … das sich jetzt aber zu leichtfüßig anfühlt
  • … werden aber im Spielverlauf immer wieder recycelt
  • … andere wirken wie Kanonenfutter
  • Multiplayer sehr rudimentär implementiert
Anforderungen
PC MINDESTANFORDERUNGEN:
• Betriebssystem: Windows 10 64bit
• Prozessor: intel i5 8400 | AMD Ryzen 5 2600
• Arbeitsspeicher: 12 GB RAM
• Grafik: 6GBs VRAM | NVIDIA GTX-1060 | AMD Radeon RX 590
• DirectX: Version 12
• Speicherplatz: 45 GB verfügbarer Speicherplatz
• Zusätzliche Anmerkungen: 720p Low Quality Settings | SSD (Preferred) | HDD (Supported)

• Microsoft Xbox Series X|S Konsole
• Sony PlayStation 5 Konsole
Getestet für
PC
Timm Woita Im Jahr 1987 hat Timm das Licht der Welt erblickt und ist seit 30 Jahren begeisterter Gamer. In seiner Freizeit spielt er alles Querbeet und ist begeisterter Radfahrer.

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