Das große Finale

Wenn Entwickler From Software eine Sache in den vergangenen Jahren gelernt hat, dann, wie man ein Spiel auf den Markt bringt, das einem das Gefühl von Einsamkeit vermittelt. Dass eine gelungene Atmosphäre nicht das einzige ist, womit Dark Soul 3 bei den Spielern punkten kann, lest ihr in unserem Test!
Von Feuer zu Feuer
Starten wir ein Spiel, auf dem Dark Souls steht, dann können wir uns sicher sein, dass wir in eine tote Welt starten. Unsere Gegner haben ihr Leben längst hinter sich gelassen und fristen ihr Dasein im Untod, unsere (vermeintlichen) Verbündeten trudeln der Existenzlosigkeit entgegen und nicht einmal wir selbst sind lebendig – zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Für Veteranen der Reihe ist das Konzept nichts Neues. Neulinge könnten etwas mehr Probleme damit haben, dass wir eigentlich tot sind. Das bisschen Verstand, das wir wohl noch haben, hängt am seidenen Faden, was uns unsere ebenfalls untoten Leidensgenossen oft genug ins Gedächtnis
rufen. Und eben weil wir noch nicht so geistlos sind, wie der Großteil der Gegner, die wir im Spielverlauf erschlagen, prädestiniert uns das genau zu der Aufgabe, der wir uns auch schon in den letzten Dark Souls-Spielen gegenübersahen; wir brechen auf und erschlagen die Herren über das untergegangen Königreich, durch das wir traben. Die haben nämlich ihre eigentliche Aufgabe, das Feuer am Leben zu erhalten und damit den Fluch des Untodes irgendwie im Zaum zu halten, hinter sich gelassen. Zeit für uns, das Ganze in die eigene Hand zu nehmen, sie zu erschlagen und ihre Seelen praktisch als Stellvertreter wieder zu ihren Thronen zu bringen. Wir basteln uns also unseren eigenen untoten Helden und brechen nach Lothric auf. Dabei ist Dark Souls 3 ein wahrer Augenschmaus! Rüstungen sind detailliert wie nie, die Umgebungen, durch die wir uns kämpfen, sind vielfältig und gelungen. Nie sah ein Dark Souls so gut aus. Zumindest solange wir nicht neben den begehbaren Pfad schauen, denn abseits der bespielbaren Flächen sind Texturen ein Mythos. Entschädigt werden wir dafür durch die panoramahaften Szenerien. Nach den letzten beiden Titeln könnte man spätestens jetzt denken, dass die zum untod-verdammten Königreiche immer wieder größenwahnsinnige Architekten anlocken. Burgen, Brücken und Städte schrauben sich bis in den Himmel, trotzen allen Regeln der Physik und ragen weit über uns auf und bieten einen unglaublichen Ausblick. Arbeiten wir uns im Laufe des Spiels genau die Festungen hinauf, die wir anfangs noch aus der Ferne bestaunt haben, ist das einfach ein gutes Gefühl. Dabei erledigen wir alle Arten von Bossen, mal die menschengroßen, mal die hausgroßen, mal die, bei denen eine genaue Einordnung nicht so wirklich leichtfällt, sammeln eine bunte Mischung aus mehr oder weniger freundlich gesinnten Gestalten auf und hoffen, nicht bereits hinter nächsten Ecke von irgendetwas Unerwartetem erschlagen zu werden. Und eines wird jedem Spieler schnell klar: Früher oder später erwischt Dark Souls jeden von uns unvorbereitet.

Wie Fahrrad fahren
Im Gegensatz zu der himmelhochragenden Architektur des Spiels bleibt Entwickler From Software auf dem Boden. Warum ein Konzept ändern, das sich über viele Spiele hinweg bewährt hat? Wer also schon mal ein Spiel der Reihe gespielt hat, wird sich schnell wieder zurechtfinden. Dark Souls ist ein Konzept, das nicht verändert werden muss, man schleift es einfach hier und da etwas zurecht. Wir rollen uns also noch immer durch die Gegend, als wären wir Akrobaten auf Freigang, entscheiden uns zwischen dicker Rüstung und damit verbundener Langsamkeit oder hoffen lieber nicht getroffen zu werden und rüsten uns leicht und flink. Von Stoffroben über leichte Rüstungen bis hin zu einer Vielzahl an dicken Plattenrüstungen ist alles dabei, und auch die Waffenkammer des Spiels bietet uns weit mehr Kriegswerkzeug, als wir in einem Spieldurchgang überhaupt sinnvoll nutzen können. Haben wir uns schließlich für eine Waffe entschieden, bringen wir sie zum Schmied um sie dort für Handwerksmaterialien und Seelen verbessern und mit besonderen Effekten versehen zu lassen. Wir spielen Dark Souls eben genau so, wie wir selbst wollen. Klar, am Anfang wählen wir wie oben beschrieben eine Klasse, aber die bestimmt nur die Werte und Ausrüstung, mit der wir in das Spiel starten. Danach liegt es ganz bei uns, uns zu entscheiden, was wir mit unserem Leben im Untod anfangen wollen. Ein ständiger und immer größer werdender Bedarf an Seelen sorgt dafür, dass wir immer größere Massen davon mit uns herumtragen. Sterben wir, verlieren wir allerdings alle Seelen, die wir bei uns tragen. Wir starten am letzten Feuer, das wir entzündet haben und haben zwar die Chance,
unseren Hort wieder aufzusammeln, aber nur, wenn wir auf dem Weg dorthin nicht erneut sterben. Als Fan der Reihe wird man schnell die Einflüsse der Vorgänger bemerken. Natürlich basiert alles auf dem ersten Teil der Reihe. Doch tauschen wir wie in Dark Souls 2 die außergewöhnlichen Seelen von Bossen gegen legendäre Waffen ein und steigen nicht an Leuchtfeuern im Level auf, sondern stets am Ausgang unserer epischen Reise. Selbst aus Bloodborne, dem serienfremden Spiel des gleichen Entwicklers bemerken wir Eindrücke, zum Beispiel der viel schneller gewordene Kampf und eine größere Funktionalität unserer Waffen. Dark Souls 3 führt die neuen Fokuspunkte ein, eine dritte Energieleiste, die sich zwischen unserer Lebensanzeige und Ausdauer befindet. Magier und Wunderwirker zehren davon, wenn sie ihre funkelnden Spezialattacken einsetzen, aber auch Säbelrassler profitieren vom Fokus, denn jede Waffe besitzt nun die Möglichkeit, eine Spezialattacke auszuführen. Geht uns die blaue Energie aus, füllen wir sie mit einer neuen Sorte Estus wieder auf. Meist stören nur Kleinigkeiten. Zum Beispiel die Tatsache, dass die Entwickler scheinbar viel Spaß daran hatten, sich gebietsschädigende Attacken für unsere Feinde auszudenken, dann aber nicht den Mut besaßen, deren Schaden auch auf andere Gegner anzuwenden.
Und wenn sie nicht gestorben sind...
Nein, keine Sorge. Wir hängen zu sehr an unserem Leben, als das wir irgendeinen Teil der Geschichte verraten würden. Schließlich ist das die Hälfte des Spaßes an Dark Souls, nicht wahr? Das Entdecken von neuen Sachen, das Entschlüsseln der Hintergrundgeschichte! Dabei fühlt sich
Dark Souls 3, was die Hauptstory angeht, etwas linearer an. Man entdeckt die Wege, die man gehen muss um voran zu kommen, wesentlich schneller als in den Vorgängern. Allerdings wird dadurch das Auskundschaften neuer Wege nur umso belohnender, wenn man plötzlich in einem völlig neuen Gebiet steht! Auch die NPCs wirken eine Spur weniger kryptisch. Nur eine Spur – niemand wird dem Spieler erklären, wo er nun eigentlich lang muss oder was er genau zu tun hat. Das müssen wir eben herausfinden. Und wer nun enttäuscht denkt, dass es sich damit ausgerätselt hat mit all den Geheimnissen, die den Fluch des Untodes umgeben, kann erleichtert aufatmen. Dark Souls 3 gibt uns einige Antworten und rüttelt kräftig an den Theorien, die sich im Laufe der Jahre gebildet haben. Aber am Ende werden genauso viele Fragen aufgeworfen wie beantwortet. Und bis wir das bemerken, sterben wir, kämpfen und sterben wieder. Wir sind das inzwischen gewohnt, und auch Dark Souls 3 packt uns bei unserem Ehrgeiz.