Von AAA bis Indie

Hall auf, Hall ab – Gamingpresse, ick hör dir trapsen. Wieder einmal war Gamescom! Und was für ein Trubel, was für ein Getöse es mal wieder war. Fast schon lauter als die schwedische Band Sabaton, die auch eines Abends auftrat. Wer braucht schon die E3, eine halbe westliche Welt weit entfernt, wenn wir the Heart of Gaming praktisch direkt vor der Haustür haben? Was bleibt also, nach drei Messetagen in Köln, praktisch in Sichtweite des bekannten Doms? Vor allem 'ne Menge Blasen an den Füßen. Und so viele Eindrücke! Tauchen wir also direkt ein!
Das kleine große Highlight!
Okay, ich bin etwas hin- und hergerissen. Denn obwohl ich bei der Präsentation von Cyberpunk 2077 war, war das nicht mal mein größtes Highlight! Hey, bevor ihr mit Steinen werft, es war großartig! CD Project Red hat uns brandneue Szenen aus dem upcoming Cyber-RPG präsentiert, und jedes neue Bild zeigt, wie next level die Synchronisation, Grafik und Freiheit in Night City ist! Wer also befürchtete, dass man uns mit dem ersten Gameplay-Trailer nur ein One Hit Wonder vorgelegt hat, darf sich entspannt zurücklehnen. Im gezeigten Material nehmen wir es mit einer Straßenbande in einem verlassenen Einkaufszentrum auf, wahlweise als schießwütiger Deperado, der guns blazing hinein stürmt, oder als geschickter Hacker, der wie ein digitaler Geist um seine Gegner schleicht. Unglaublich gut! Aber wisst ihr, was mich trotzdem am meisten vom Hocker gehauen hat? All die Indie-Entwickler! Und während ich das schreibe, spüre ich, wie sich Timms wütender Blick über hunderte Kilometer Entfernung in meinen Hinterkopf brennt... Aber lasst's mich erklären.

Klabater ahoi!
Sieht man mal von meinem ersten, dienstäglichen Termin bei EA ab, bei dem ich FIFA-Fastpass für meine Kollegen besorgte, war mein erster Tag voller Indie-Entwickler. Gerade die polnischen Stände haben Eindruck bei mir hinterlassen. Wie Anshar Studio, das mit Gamedec ein grimmiges Detective Noir-Spiel präsentierte, in dem wir Verbrechen in virtuellen Spielwelten aufklären – ein Spiel im Spiel! Oder Donkey Crew, die mit Last Oasis genau meinen wunden, verletzlichen Punkt für Survival, MMOs und riesige, waffenbewehrte Landschiffe getroffen haben. Shing! von Mass Creation hat mich auch ziemlich vor dem Bildschirm gefesselt. Aber ein Studio hat es mir besonders angetan: Klabater. Diese herzlichen Spieleentwickler aus Polen haben mich in ihrer Mitte aufgenommen, für mich gesorgt und mich mit Spielen versorgt, von denen ich nicht wusste, wie sehr ich sie eigentlich immer schon wollte. Wie Crossroad Inn! Meine eigene Taverne in einer mittelalterlichen Welt mit Wirtschaftssimulatoren-Einflüssen und Bau-Sim zu betreiben ist so ziemlich genau das, was ich immer schon in jeder P&P-Runde machen wollte, zu der ich je gehörte! Oder We. The Revolution! Wer hätte gedacht, dass es so hübsch sein kann, über Recht und Unrecht während der französischen Revolution zu entscheiden? Ich verstand mich am Ende so gut mit Micał, Micał und Micał (die hießen echt alle drei so!), dass ich am zweiten Tag sogar ihr offizielles Twitter-Maskottchen wurde! Fühlt sich so Influencer-Fame an? Feels good.

Gute Zeiten für die Switch
Aber abgesehen von den verflixt guten Indie-Titeln fiel mir noch etwas auf: Am Horizont ziehen gute Zeiten für alle Switch-Besitzer auf. Gefühlt war jedes zweite Spiel auf der Gamescom wie geschaffen für schnelle, rasante Multiplayerpartien auf Nintendos mobiler Konsole. Wie Chapeau, das von Salt Castle Studio in, wer hätte es erraten, Salzburg gebastelt wird. Hier spielen wir einen springenden, dashenden Hut, dessen einziges Ziel es ist, auf so vielen Köpfen wie möglich zu landen. Oder eben das bereits erwähnte Shing! Viele Entwickler bestätigten uns dann auch den geplanten Release auf der Switch. Sagte ich schon, dass gute Zeiten anbrechen? Nah, doppelt hält besser. Außerdem hat man mich am Stand von Tripwire endgültig von VR-Spielen überzeugt. Die Steuerung von Espire 1, all das Klettern, Spurten, Ducken, Manipulieren ging so flüssig von der Controller-haltenden Hand, dass ich bereits auf der Lauer liege, was preiswerte VR-Lösungen angeht.

Wunschkonzert? Ein wenig
Dann konnte ich mir auch noch ein paar Wünsche erfüllen. Wie die Präsentation von Darksiders Genesis – ich mag die wilde Verwicklung um die apokalyptischen Reiter einfach. THQ Nordic hat mir außerdem eine echte Freude mit Knights of Honor 2: Sovereign gemacht. Allein beim Gedanken an meine pixeligen Ritterheere, die dem französischen König zeigen, wo der Hammer hängt, wird mein Herz von Gaming-Minne erfüllt. Und bevor ich endlich zum Ende komme: Mount & Blade II: Bannerlord. Ich habe mein Herz bereits vor vielen Jahren an Paradox Interactive verloren, und auch wenn die Schweden nicht mehr die Publisher von M&B II sind, habe ich ihnen trotzdem zu danken, dass sie mich mit TaleWorlds bekannt gemacht haben. Wieder hatte ich die Gelegenheit, durch Calradia zu streifen. Wieder kann ich es kaum erwarten, endlich den Release vor der Tür stehen zu haben! Alles ist so viel besser, so viel größer... Mit Pferden bei Belagerungen! Nicht mehr lange... Nicht mehr lange...

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