Das bessere Diablo 3?

Das Action-Rollenspiel Wolcen: Lords Of Mayhem hat eine turbulente Entwicklungsgeschichte hinter sich. Bereits 2011 wurde das Spiel, damals noch unter dem Namen Umbra, offiziell angekündigt. 2015 folgte dann eine große Kickstarter-Kampagne, welche die Finanzierung des Projektes sicherstellen sollte. Drei Jahre später kam es nicht nur zur Umbenennung in Wolcen, sondern die Programmierer haben auch viele Gameplay-Aspekte komplett überarbeitet. Damals wie heute verwendet der Titel die Cryengine samt Photogrammetrie-Texturen von Quixel Megascans als technische Basis, was Wolcen zu einem grafisch opulenten Titel mit wuchtigen Kämpfen macht. Stellt sich jetzt bloß die Frage: Macht das Spiel auch Spaß?
Schmale Story
Trotz erfolgreicher Kickstarter-Kampagne merkt man Wolcen an, dass das Budget recht limitiert war. Hochwertige CGI-Videos wie in einem Diablo 3 sucht man vergebens. Stattdessen wird die Handlung in Ingame-Grafik-Sequenzen ausschließlich in englischer Sprache präsentiert. Als in Ungnade gefallener Soldat (oder Soldatin) kloppt man sich durch eine trashige Storyline, die ordentlich aus der Fantasy-Mottenkiste schöpft: Versatzstücke aus Der Herr der Ringe, Warhammer und Diablo werden hier beherzt zu einem Plot verschmolzen, der zwar nie richtig spannend wird, aber im Vergleich zur Konkurrenz auch kaum schlechter dasteht. Doch bevor man die Kampagne in Angriff nehmen darf, muss man seinen Helden in der arg limitierten Charaktererstellung zusammenklicken. Danach gilt es, eine Klasse auszusuchen, wobei die einzig festlegt, mit welcher Waffe und welcher ersten aktiven Fähigkeit man nach dem Prolog loslegt. Wolcen lässt einem die Freiheit, wie man den Charakter entwickeln möchte: Die 40 aktiven Skills findet oder kauft man als Hyperwürfel und kann sie daher jederzeit einsetzen, sofern man die passende Waffengattung zur Verfügung hat.
Qual der Wahl
Durch die Benutzung von Fähigkeiten steigt der Level des jeweiligen Skills. Alternativ kann man auch doppelt gefundene Hyperwürfel verkaufen und so noch schneller seine Skills ausbauen. Ein Feuerball durchschlägt dann Gegner oder verbrennt sie. Mit höherer Erfahrung kann man auch multiple der 16 Modifizierungen pro Skill kombinieren, etwa Gegner länger in einem größeren Radius einfrieren und beim Ableben selbst eine Frost-Nova auslösen lassen. Für die passiven Perks hat das Entwicklerteam einen rotierbaren Talentbaum implementiert: Der umfasst drei „Räder“ um die Fähigkeiten einer Zauberin mit der einer Kriegerin und der einer Assassinin dynamisch zu verknüpfen - oder eben voll auf eine Klasse auszurichten. Typische Perks sind mehr Schaden, eine höhere Ausdauer, zusätzliche Willenskraft für Zauber oder ein besserer magischer Schild, aber auch solche wie sich teilende Geschosse oder solche, die zwei unterschiedliche Statuseffekte bewirken. Hinzu kommen bei jedem Level-Aufstieg klassisch Punkte für Heilung, Ausweichchancen oder Widerstand gegen Schadenstypen. Sehr erfreulich: Gegen Gold bzw. die Hyperwürfel-Währung kann man Charakterattribute und passive Perks jederzeit zurücksetzen.
Looten und kämpfen
Typisch für ein Action-Rollenspiel: Es gibt eine Unmenge an Loot. Quasi im Sekundentakt bekommt man neue Ausrüstungsgegenstände, Waffen und Edelsteine. Diese Gegenstände kann man im Inventar oder in der persönlichen Beutetruhe verstauen. Genre-typisch gibt es gewöhnliche, magische, seltene, legendäre sowie einzigartige Items und diese wiederum sind mit passiven Eigenschaften versehen. Sockel für Edelsteine unterschiedlicher Art und Güte fehlen ebenso wenig wie die Option, alle Gegenstände zu transmogrifizieren und einzufärben oder per Crafting umzuarbeiten. Das eigentliche Kampfsystem basiert auf Willenskraft und Wut - leert sich das eine, erhöht sich das andere. Durch Skills, Perks und Gegenstände lässt sich das Verhältnis verschieben oder stabilisieren, wodurch Wolcen seine ganz eigene Dynamik der Fähigkeiten entfaltet. Hinzu kommt ein magischer Schild, der die Lebensenergie des Helden vor Schaden bewahrt.
Gewohntes Terrain
Aktuell umfasst das Hauptspiel drei Akte, die ungefähr 12 Stunden Spielzeit in Anspruch nehmen. Danach geht es in das Endgame rund um die Stadt Sturmfall. Wolcen bietet auch einen Online-Koop-Modus. Der Schwierigkeitsgrad passt sich dann dementsprechend an. Die Entwickler setzen auf eine feste Kamera, was aber nicht weiter stört. Dank der Cryengine aus dem Hause Crytek bekommt man schicke Effekte, eine gelungene Beleuchtung und scharfe Texturen geboten. Auch das düstere Artdesign von Wolcen gefällt. Lediglich die Animationen wirken stellenweise arg steif.

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