The Witcher 3: Wilde Jagd - Test/Review
Wir haben uns viel Zeit gelassen um den Witcher ausgiebig auf Herz und Nieren zu testen.
Von Dominik Figl am 27.05.2015 - 15:05 Uhr

Fakten

Plattformen

PlayStation 4

Xbox One

PC

Publisher

Bandai Namco

Entwickler

CD Projekt

Release

19.05 2015

Genre

Rollenspiel

Typ

Vollversion

Pegi

18+

Webseite

Preis

ab 49,90 Euro

Media (44)

Das beste RPG 2015?

Wir haben uns viel Zeit gelassen um den Witcher ausgiebig auf Herz und Nieren zu testen. Das liegt zum einen am großen Namen, zum anderen auch an der Tatsache, dass Geralts bisweilen größtes Abenteuer ein ganz klarer Anwärter auf den Titel „Spiel des Jahres“ ist. Dass Wild Hunt ein großartiges Spiel ist, sollte aktuell bereits jedem klar sein – wie gut es nun aber wirklich ist, das finden wir jetzt heraus!
Es war einmal...
...eine Story, so simpel, dass man eigentlich nicht viel erwarten wollte. Tatsächlich ist die Geschichte hinter Geralts neustem Abenteuer gar nicht so verzwickt, wie man meinen könnte. Geralt sucht seine Ziehtochter und um sie zu finden, verwandelt er sich in einen Fantasy Jack Bauer, fordert Gefallen ein, bricht Daumen und schneidet Menschen in zwei Hälften. Kniffliger wird die Story aber eigentlich nicht. Es kommen lediglich weitere Elemente hinzu! Der Fantasy-Adel mehrerer Reiche, diverse Monster und natürlich ein gigantischer Krieg, Zauberei und Rassismus. Wem die Witcher-Lore komplett fremd ist, dem sind die Lore-Videos von ShoddyCast zu empfehlen. Die Story klingt abgedroschen? Ist sie auch! Was den Hexer ausmacht, ist die Inszenierung und die ist einfach großartig. Gespräche, kleine Entscheidungen, die ihr treffen müsst, Hauptquests, die Nebenquests freilegen, Nebenquests, die irgendwie in Richtung der Hauptquest führen, auf seltsame Art ist alles in der Welt von Geralt miteinander verbunden und läuft ineinander. Ihr wollt die Nebenquests machen, wollt die Welt erkunden und trotzdem drängt es euch immer wieder in Richtung des Hauptplots. Kleine Videosequenzen, die an jeder Ecke starten, an der ein Event auf euch wartet und all die Popkultur-Verweise im Spiel. Wir haben gegen den Tailor, Durden im Fightclub gekämpft, haben an einem Kartenturnier im Stile von Maverick teilgenommen, das Schwert, mit dem uns nicht einmal die Götter aufhalten könnten, wurde von dem Schmied Hattori geschmiedet und zwischendurch war da Fabian, der versucht hat, uns anständig aufs Kreuz zu legen. Verdammter Fabian! Es ist die Art der Gestaltung, die Entscheidungen die man trifft, die Videos, die Nebenquests und Hauptquests und die Art, wie all das ineinanderfließt, die Witcher von einem guten Rollenspiel zu einem außergewöhnlichen macht.
Eine Welt, erschaffen, um erkundet zu werden!
Erinnert ihr euch an Skyrim? Diese riesige Welt, das Wetter, die Dörfer, all die Nebenquests und kleinen Events in den Wäldern und Ruinen? Ähnlich geht es uns in Witcher 3. Die Hauptquest zu erfüllen ist lange nicht das eigentliche Ziel des Ganzen. CD Project schenkt euch eine Welt und diese gilt es zu erkunden. Größer, lebendiger als alles was wir bisher gesehen haben und überall gibt es Dinge zu entdecken, in jedem Dorf gibt es Arbeit für den Hexer, Monster, deren
Eigenheiten es auszukundschaften gilt, deren Geschichte und Hintergrund wir in Erfahrung bringen müssen, ehe wir sie zur Strecke bringen können und Probleme des Landvolks, die wir uns anhören wollen. Es herrscht Krieg in der Welt des Hexers, die Menschen verhungern, sie leiden und sind stinksauer auf jeden, der anders ist als sie. Genau diese Stimmung wird großartig übertragen und entsprechend häufig werden wir als Kerl mit silbernem Haar und gelben Katzenaugen von irgendwelchen Banditen, Bauern oder Soldaten angepöbelt. Ob wir sie einfach mit unserem Jedi-Mindtrick dazu bewegen sollten zu verschwinden? Ob Zauberei wirklich die Lösung sein kann, in einer Welt, in der Zauberer mittlerweile verfolgt und verbrannt werden? Dennoch macht es einfach Spaß sich durch diese Welt zu bewegen. Vor allem in den ersten Stunden des Spieles gibt es einfach keinen Grund die Wegpunkte zu nutzen. Jede Sekunde, die man mit dem Gedanken an die Schnellreise verschwendet, ist eine Sekunde, in der man nicht diese traumhaft schöne Landschaft genießen oder sich an eine Klippe stellen und einfach in die Ferne starren kann.
Und grafisch...
...setzt der Witcher auf seine eigene Art neue Standards. Es ist eher die Atmosphäre, als die Grafik selbst, die den Knicks macht. Würde Regen wirklich so aussehen und sich so anfühlen, wie er es vor der Flimmerkiste tut, gäbe es keinen Grund mehr zu Hause zu bleiben, außer natürlich
um The Witcher 3 zu spielen. Die Animationen, die Art, wie Geralt sich bewegt, wie sein Pferd rennt, die kleinen Details an jeder Ecke, die runden, flüssigen Bewegungen der Kreaturen, all das ist einfach großartig gemacht. Da nun also deutlich gemacht wurde, dass Witcher 3 eines der schönsten Rollenspiele ist, die wir je gespielt haben, ab zu den grausigen Grafikschwächen. Denn alle Nase lang kommt es vor, dass Dinge aufploppen. Texturen und Charaktere, die einfach verspätet geladen werden, stellenweise wartet man auch auf den Quest-NPC, weil man zwar am richtigen Fleck steht, der Kerl aber noch nicht aufgetaucht ist. Zwischendurch verhaken sich Texturen und Geralt bleibt in einem Tisch stecken, kann sich nicht mehr bewegen und wir müssen neu laden. Engine-Schwächen. Kleinigkeiten, die selten genug vorkommen, um nicht zu stören, aber gleichzeitig eben pikant genug sind, um uns zum Lachen und gleichzeitig auch zum Weinen zu bringen.
Charaktere
In einer so unglaublich liebevoll gestalteten Welt darf es eigentlich einfach nicht vorkommen, dass Charaktermodelle sich wiederholen. Tut es aber. Doppelt, dreifach, hundertfach und das nicht bloß als einfaches Dorfvolk oder als wertlose Banditen, nein, sogar Gesichter die wir aus der Hauptquest kennen, werden dreist recycled! Tatsächlich tut das der beinahe vollendeten Atmosphäre etwas weh. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass die Charaktere einfach einmalig sind. Abgesehen von der Optik, versteht sich. Yennefer von Vengerberg, Triss Merigold, ein Godling namens Johnny, ein Kerl namens Whoreson! Wir haben brutale Schweine und grausame Bastarde getroffen, Menschen, die Spaß am Foltern haben und grausame Dinge aus religiösem Wahn tun, wir haben solche getroffen, die dagegen angehen und jene, die sich verstecken. Kerle, die ihre Frauen verprügeln und Frauen, die ihren Männern sagen, was zu tun ist. Vampire, die sich religiösen Fanatikern anschließen, um eine Stadt zu säubern und Sukkubi, die wir davon überzeugen konnten, die Stadt besser friedlich zu verlassen. Witcher 3 hat sie alle. Eine derartige Vielfalt an Charakteren gab es nie und wird es vielleicht nie wieder geben – auch wenn dennoch niemand, zumindest einzeln betrachtet, an Sera aus Dragon Age herankommt. Niemand.


Zweifelhafte Freuden
Und dann wären da noch die Dinge, die uns doch noch versucht haben den Spielspaß zu rauben. Die oben erwähnten Glitches, das ständige nachladen, die wiederverwerteten Charaktermodelle und die wirklich grausige Steuerung unter Wasser. Zwei Sticks und ein bis zwei Knöpfe, um unter Wasser effektiv zu steuern, ist einfach bloß Schwachsinn. Die Tatsache, dass unser Pferd einfach irgendwo spawned, wenn wir es rufen ist mindestens genauso dumm. Klar sieht das in Preview Videos gut aus, aber in der Praxis bleibt das Vieh einfach die meiste Zeit an Zäunen oder Bäumen hängen und das ist dann schlechtes Design. Ähnlich sieht es bei den Speicherpunkten aus. Zwar speichert das Spiel an jeder dritten Ecke automatisch, aber eben nicht an den Ecken, an denen es gefährlich werden könnte. Plopp. Tot. Fünfzehn Minuten Spielzeit dahin. Nebenbei hat die Xbox Version auch einen kleinen Bug, durch den euer Spielstand nach einem Tod beschädigt wird und ihr nicht mehr laden könnt. Die Lösung? Xbox ein paar Minuten vom Strom nehmen und beten, dass es danach mit einem viel, viel, viel früheren Spielstand wieder geht. Ist uns passiert. Lustig. Ganz davon abgesehen, dass auf den Konsolen die Ladezeiten unangenehm lang sind. Versteht uns nicht falsch. Nichts von all dem macht das Spiel wirklich schlechter (außer einem kaputten Spielstand nach 80 Stunden Spielzeit, klarerweise), aber es sind Dinge, die nicht sein müssen und die einem auffallen. Wie die Sache mit der leicht übersexten Spielwelt. Aber das ist eher ein Thema für ein Video oder einen Podcast.

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