Lineare Grafikexplosion

Morgen erscheint eines der wohl am stärksten im Kreuzfeuer stehenden Spiele der letzten Monate. Sonys neuer Toptitel, The Order: 1886, musste in der Gerüchteküche einiges über sich ergehen lassen. Von vier Stunden Spielzeit über eine abgespeckte Grafik bis hin zu einem Bug-Festival haben wir so ziemlich alles gelesen. Und ohne etwas vorwegnehmen zu wollen: Gerüchte sind nicht zum Glauben da! Was genau ihr euch von dem Steampunk-geprägten Actionspiel erwarten könnt, erfahrt ihr natürlich wie immer in unserem Review!
Halb tot aber doch lebendig
Wir schreiben den 20ten November 1886 in London. Einer Stadt die durch den industriellen und technischen Aufschwung in dem sie sich gerade befindet von massiven Wolkendecken überschattet ist. „Na hast du schon genug?“ fragt uns einer der Wärter bevor er unseren Kopf in ein Wasserbecken drückt. Warte mal ein Wärter? Sind wir gefangen? - Bis wir uns diese Fragen stellen können befinden wir uns schon mitten im Kampf. Denn Galahad, unser Protagonist, hat eine der Handschellen gelöst und ist gerade dabei die Wärter zu überwältigen. Und wir spielen mit! Denn schon in der ersten Spielsequenz überrascht uns The Order: 1886 mit einer Reihung von Quick-Time-Events die es zu meistern gilt. Okay, kurze Verschnaufpause, Waffen aufsammeln und dann flüchten! Wie zu erwarten wird uns das aber nicht einfach gemacht und wir finden uns schlussendlich umzingelt von Gegnern auf einem Plateau wieder. Und was macht ein super harter, vollbärtiger Badass mit den massivsten Koteletten aller Zeiten in so einem Moment? Er stürzt sich natürlich vom Plateau!
Nach dem ansprechenden Epilog und einer kurzen Zwischensequenz geht es nun endlich richtig los! Wir bleiben in der Rolle von Galahad, allerdings rund ein Monat vor unserem Ausbruchsversuch. Unser erster Auftrag als Ritter der Tafelrunde - nein, das ist kein Scherz, wir sind ein Ritter der Tafelrunde - ist es, mit unserer Kollegin Lady Igraine einige Halbblüter, oder auch Lykaner, zu finden die sich bei der Londoner U-Bahn aufhalten sollen. Gesagt, getan! Doch das erste Aufeinandertreffen mit den Lykanern läuft nicht zu unserer Zufriedenheit ab. Eine Kreatur schafft es zu flüchten und auf die offene Straße zu gelangen, was für eine geheime Gruppe von Monsterjägern nicht unbedingt vorteilhaft ist. In den Straßen Londons treffen wir gleich auch das erste Mal auf menschliche Gegner die einer Gruppierung angehören die sich Rebellion nennt. Doch was hat es mit ihnen auf sich? Und gibt es auch Vampire wenn wir schon jetzt auf Lykaner treffen? Und wie geil sieht eigentlich unser Mantel aus?! Alles Fragen ohne Antworten. Nun machen wir uns auf um genau diese Antworten zu finden...

Von Tesla und LaFayette
Wie eingangs erwähnt musste sich das Entwicklerstudio Ready at Dawn im Vorfeld mit vielen negativen Gerüchten herumschlagen, die selbst meine Grundeinstellung zum Spiel stark gedrückt haben. Wir lassen jetzt aber alle bisherigen Vermutungen und Einschätzungen links liegen und geben unsere Erfahrungen wieder: Mit The Order: 1886 erwartet uns ein Titel der zwar nicht mit einer außerordentlich langen Spielzeit - am Schwierigkeitsgrad „Mittel“ rund 7 Stunden - glänzen kann, diese kurze Spielzeit aber mit einer so intensiven und grandios inszenierten Geschichte schmückt, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Kennt ihr das Gefühl wenn ihr vor der Konsole sitzt und eigentlich schon vor drei Stunden aufhören wolltet? Ganz genau so wird es euch auch bei The Order: 1886 ergehen. Insbesondere da kein Unterschied zwischen Cut-Scene und Spielverlauf merkbar ist, der Soundtrack für eine geniale Stimmung sorgt, die Charaktere nachvollziehbare Emotionen übermitteln und wir im Laufe des Spiels immer wieder Flugzettel von Ereignissen sowie berühmte Personen der damaligen Zeit finden.
Klingt nach einer glatten 10 oder? Leider nicht! Denn wir müssen beim Gameplay auch einige Abstriche verzeichnen. So ist die deutsche Synchronisation nur mäßig gelungen, der Schwierigkeitsgrad stark schwankend und die Schlauchlevel trotz abwechslungsreicher Settings auf Dauer langweilig. Die zwei Dinge die aber am auffälligsten aus dem Schema fallen sind die massive Anzahl an Quick-Time-Events und die unnötig in die Länge gezogenen Gefechte mit Rebellen. Befassen wir uns aber erst mit den Quick-Time-Events die oft zu unpassenden Momenten im Spiel stattfinden. Selbst in Cut-Scenes bleibt ihr von dem „drücke wiederholt X“- oder „drücke lang auf Dreieck“-Wahn nicht verschont. Es kam während unserer Testzeit nicht nur einmal dazu, dass wir das Gamepad während Videosequenzen zur Seite gelegt haben um der Geschichte in uns aufzusaugen - bis wir die Geschichte dann ein zweites Mal aufsaugen durften, weil wir während der Szene gestorben sind. Zweites unstimmiges Element sind die Gefechte mit Rebellen. Des Öfteren finden wir uns in der Situation, dass Ready at Dawn Unmengen an Gegnerwellen in den Raum schickt bei denen die Steampunk-Endzeit-Lykanerjäger-Stimmung mit einem stumpfsinnigen „ich ballere euch alle kaputt“-Spielgefühl getauscht wird. Das drückt nicht nur die Atmosphäre sondern auch den Spielspaß, denn sterbt ihr während eines solchen Kampfes katapultiert euch das Auto-Speichersystem wieder zum Anfang der Sequenz zurück. Nichts desto trotz ist das aber Mäckern auf hohem Niveau, da die Atmosphäre generell phänomenal gelungen ist. Auch die Steuerung ist flott übersetzt und die Persönlichkeiten auf die ihr treffen werdet sorgen das ein oder andere Mal für ein innerliches Grinsen. Selbst Bosskämpfe sind nicht nur anspruchsvoll, sondern auch toll inszeniert obwohl wir hier wieder beim Thema Quick-Time-Events angelangen...
Alles in allem haben wir sehr gemischte Gefühle was das Gameplay von The Order: 1886 betrifft. Auf der einen Seite bekämpfen wir Monster die uns in coolen Gefechten fangen, auf der anderen Seite finden wir uns in monotonen Schießereien wieder. Auf der einen Seite erlauben uns die verschiedenen Umgebungen eine unglaubliche Weitsicht, auf der anderen Seite bespielen wir durchwegs lineare Level. Auf der einen Seite genießen wir das Look and Feel von The Order: 1886, auf der anderen Seite werden wir immer wieder durch lästige Quick-Time-Events dabei unterbrochen. Alles in allem ist The Order: 1886 im Gamplay auf der einen Seite richtig gut gelungen, auf der anderen Seite... naja, eben nicht.
Bugs? Fehlanzeige!
Anders als beim Gameplay gibt es bei der Grafik kaum etwas auszusetzen! Abgesehen davon, dass The Order: 1886 mitunter zu den schönsten Spielen am Markt gehört, können die Skins der Charaktere und Gegner - die mit dezenten Steampunkelementen ausgestattet sind - auf ganzer länger überzeugen. Selbst die Mimiken sind mehr als nur eindrucksvoll - von Stirnrunzeln bis hin zu Zwinkern. Sony präsentiert uns die komplette Palette menschlicher Gesichtsausdrücke. Auch die Stadt London kann durch die vielen verschiedenen Settings in denen dauernd eine leicht depressive Grundstimmung vermittelt wird glänzen. Nur selten finden wir matschige oder gar zweidimensionale Texturen. Renderingprobleme oder eine eingeschränkte Weitsicht sind quasi nicht vorhanden. Und Bugs sucht man vergebens. Deshalb wirkt The Order: 1886 schon mehr wie eine eindrucksvolle Grafikdemo als ein spielbarer Titel: Ganz. Großes. Kino!
Umfang
Gerade noch in hohen Tönen gelobt müssen wir in Sachen Umfang etwas kürzer treten. The Order: 1886 umfasst weder einen Multiplayermodus noch Sammelbares oder Seitmissionen. Neben der Hauptstory - die ihr in rund 7 Stunden durch habt - stehen euch also kaum Nebenbeschäftigungen und Anreize den Titel noch einmal zu spielen zur Verfügung. Lediglich Tonaufnahmen könnt ihr hie und da aufsammeln. Und selbst wenn ihr mit dem Spiel einmal durch seid findet ihr im Hauptmenü unter dem Punkt „Extras“ nur die Credits. Da hätte sich Sony ruhig etwas mehr einfallen lassen können – oder bin ich einfach zu blind um Gegenstände zu finden?

3 Kommentare

Lockdown apk (Website) um 25.02.2015 - 10:45

can this one for best game.

shaadi (Website) um 24.12.2015 - 08:58

Nice game love it, Thanks for sharing!

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