Endlich für Konsolen

Vor etwas mehr als einem Jahr hat Christoph euch von TESO (zum PC-Review) erzählt. Nein. Nicht davon erzählt. Er hat es aufgeschnitten, ausgenommen und euch die blutigen Details unter die Nase gehalten. Ein Jahr später sitzen wir wieder hier, diesmal an der Xbox One, sind wieder in Tamriel und erkunden wieder dieselbe Welt. Bloß, dass die europäischen Server mittlerweile in Europa stehen.
Days of Future Past
Zukunft ist Vergangenheit, Leute. Was hat sich zwischen dem eigentlichen Release und heute getan? Das Wichtigste zuerst, um in Tamriel herumlaufen zu können, braucht ihr keine Abo-Gebühren mehr zu bezahlen. Wer es doch machen will, wird mit Geschenken und Spielzeug überhäuft, wer es nicht machen will, hat für das Spielzeug den Cash-Shop, in dem man jedoch lediglich kosmetischen Kram, Reittiere und Haustierchen kaufen kann. Mehr dazu später bei den negativen Punkten, aber grundsätzlich ist es löblich, dass der Kronen-Store recht Pay2Win frei gehalten ist.
Eine der wirklich interessanten Änderungen ist das Justice-System. Wisst ihr noch, damals, als ihr gelangweilt rumgestanden seid und nicht wusstet, was ihr mit eurer Zeit anstellen sollt? Diese Tage sind vorbei! Nehmt einen dicken Kolben und knallt ihn einer Wache ins Gesicht! Sofort wird euch ein Kopfgeld angerechnet und der Oldschool-Morrowind Spaß beginnt! Taschendiebstahl, Mord und sonstige Flinkfingeraktivitäten fallen in jene Schublade und bauen euer Kopfgeld auf. Grundsätzlich sollte es auch Sheriffs geben, die im PvP-Stil auf die Kriminellen jagt machen, haben wir bloß leider nicht gesehen. Trotzdem mögen wir die Änderung. Ihr könnt nun nicht mehr einfach so durch sämtliche Häuser huschen und euch nehmen was euch gefällt, nein, rot unterlegte Gegenstände sind Diebesgut, nehmt ihr sie und werdet erwischt, steigt euer Kopfgeld. Je höher das Kopfgeld, desto geringer ist die Chance, dass die Wachen mit sich reden lassen und euch stattdessen einfach bloß umbringen. Mit der Zeit sinkt das Kopfgeld jedoch von allein. Schließlich gibt es dann noch das Champion-System. Ab Level 50 geht es nun weiter, statt einfach bloß die Startgebiete der anderen Völker im Hardmode zu spielen, bekommt ihr nun bis zu 3.600 Zusatzpunkte, die ihr in einem der klassischen Skyrim-Sternbilder ausgeben könnt, um euren Charakter weiter zu verbessern. Dabei erhöhen die Punkte im Groben bloß eure Werte, geben euch also mehr Crit, mehr Ausdauer, mehr Stamina, erhöhen die Wirkung von Potions und derlei Spielereien. Eine gute Änderung, wenn man bedenkt, wie festgefahren das Endgame früher war. Diese Punkte ergattert ihr im Grunde durch jede erdenkliche Tätigkeit, egal ob PvP, PvE, Erkundung oder questen. Es bleibt abzuwarten, ob das dem Balancing des Spieles gut tut, oder es komplett kippt und klar durchkalkulierte Charaktere erzwingt.
Konsolen und ihre Steuerung
Final Fantasy 14 hat uns ja schon gezeigt, dass ein MMO sich sehr wohl, sehr angenehm auf der Konsole steuern lassen kann. TESO bestätigt das nun. Natürlich, wenn man die PC Version kennt, dann ist das wilde Tastenklimpern plötzlich eine Umstellung und fühlt sich ungewohnt an, doch je länger man spielt, umso angenehmer scheint es. Eigentlich fühlt man sich nie wirklich
eingeschränkt. Auch grafisch sieht das Spiel nicht anders aus als auf dem PC, Hut ab also, das sind Dinge, die gut gelungen sind. Problematisch ist, wie früher schon, das Interface. Denn wenn man das Spiel kennt, weiß man, dass es einfach keines gibt. Ihr seht eure Debuffs, Buffs und Cooldowns einfach nicht. Früher gab es dafür Mods. Auf den Konsolen ist das wiederum ein Problem. Eines der wenigen, allerdings. Denn abgesehen vom Interface gibt es bloß wenig zu bemängeln. Wir hatten uns wegen der Performance, wegen Lag oder sonstigen Spielereien Sorgen gemacht, zu Unrecht jedoch. Natürlich gibt es gelegentliche Lagspikes, aber die gibt es auf dem PC auch. Ruckler oder dergleichen sucht man vergebens, während die Standardlatenz seit damals von unangenehmen 250ms auf ein spielbares „alles was gedrückt wird, kommt sofort bei der Figur an“ verschoben wurde. Seltsam, ob das wohl was mit den europäischen Servern zu tun hat, die einfach nicht mehr in einem staubigen Keller in den USA stehen? Erinnert ihr euch daran? Wie ZeniMax damals vor euch stand und sagte „Hey Leute, ehrlich, das macht keinen Unterschied, ihr spürt das gar nicht!“ - die Jungs von Warhammer Online haben sich damals genauso vor ihre Community gestellt. Tja. Eines der beiden MMOs lebt noch - ob es das mit den, mittlerweile, anständigen Latenzen ist?
Schattenseiten
TESO ist und bleibt ein wirklich gutes und schönes Abenteuer, aber im Endeffekt fühlt es sich heute noch, genauso wie damals, eher wie ein Solo-Abenteuer an. Ihr erlebt eine Geschichte. Eure Geschichte. Die Geschichte ist nett gemacht und wird dank wohlklingender Sprecher und guter Schreiber auch angenehm umgesetzt, aber das ändert nichts daran, dass ihr dieses MMO die meiste Zeit über alleine spielt. Auch im späteren Spielverlauf, zum Endgame hin, gibt es
eigentlich nur wenige Gründe, sich mit anderen Menschen zusammenzutun. PvP. Ja. Das Welt-PvP ist eine Möglichkeit, doch wer keine Lust hat, sich im Herzen Tamriels mit endlos vielen Anderen zu prügeln und eigentlich die meiste Zeit in einem Pulk herumzulaufen, der hat einfach Pech gehabt. Wie erwähnt, die Geschichte mit dem Interface nagt etwas an uns, ist jedoch eigentlich kein Beinbruch, während der Shop an sich etwas lieblos wirkt. Es sind, bisher, einfach dieselben, generischen Items darin, wie sie auch in jedem anderen Shop auf uns warten und das obwohl die Elder Scrolls Welt grundsätzlich ja so viel zu bieten hätte, auf das man aufbauen könnte. Das ist nun allerdings wieder Meckern auf hohem Niveau.

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