Neue Referenz-Racer?

Der neue Hybridracer Project Cars aus dem Hause Slightly Mad Studios wurde zwar oft verschoben, ist jetzt aber endlich für die heimischen Konsolen und PC verfügbar! Das bedeutet für uns: Ab hinter das Steuer und Reifen qualmen lassen. Ob Hockenheim jedoch auch in Project Cars überzeugen kann, erfahrt ihr wie immer in unserem Review!
Mehr Hybrid als Simulation
Hybridracer ist das Wort des Tages, denn Project Cars versucht sowohl Simulationsveteranen als auch Genreeinsteiger gleichermaßen zu bedienen - und das gelingt durchwegs! Du bist Neuling und hast keine Ahnung von Aerodynamik und ein Reifen ist nur ein Mittel zum Zweck? Kein Problem, lass deine Einstellungen wie sie sind und genieß das Rennen - selbst auf die obligatorisch angezeigte perfekte Linie oder ABS kannst du dich verlassen. Bist du allerdings ein Simulationsfan der nicht nur Lenkrad, Pedale und Sitz sein eigen nennt sondern außerdem einen Kübel Benzin neben sich stehen hat um die Atmosphäre einzufangen, dann offenbart sich in Project Cars das Paradies für dich. In Slightly Mad Studios neuem Racer habt ihr die Möglichkeit alle Wagen nach Belieben anzupassen und bis in das kleinste Detail eurem Fahrstil anzupassen. Ob ihr euch dabei am Reifendruck, bei dem ihr Bar vorne sowie hinten Wahrheitsgetreu bis an die zweite Kommastelle anpassen könnt, verändert, die Bremsbalance abstimmt oder euch mit einer der vielen anderen Einstellungsmöglichkeiten spielt, bleibt dabei ganz euch überlassen. Auch das technische Schadensmodell ist gelungen und - sofern ihr die Option ‚realistisch’ ausgewählt habt - von Wagen zu Wagen unterschiedlich. Der optische Schaden ist allerdings nicht immer so gut gelungen und hat uns auch nach schweren Kollisionen mit der Frage zurückgelassen, wie die Verkleidung das ohne Kratzer überstanden haben kann. Fakt ist aber: Die Einstellungsmöglichkeiten die ihr bei den Karossen habt sind unheimlich detailliert und fördern eure Rundenzeitenjagd!
Zu erkunden gibt es 30 Strecken, die sich mit den Wettervariationen auf über 100 verschiedene Spielszenarien summieren, massive Unterschiede im Fahrverhalten der verschiedenen Boliden je nach Wetter - die selbst erfahrenen Simulationsjunkies das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen - und rund 80 spielbare Vehikel. Sollte euch also ein Wagen einmal zu langweilig werden könnt ihr einfach wechseln. Denn die Karossen, die vom Kart bis hin zu Formula A Karossen reichen, stehen euch von Anfang an zur Verfügung und lassen keine Seele unbefriedigt. Der Klassiker unter den Spielmodi, der Karrieremodus, wurde sehr schlank gehalten. Ihr habt von Anfang an die Möglichkeit in jeder Wagenklasse bei einem Rennteam zu unterzeichnen und werdet nach erbrachter Leistung sogar zu Spezialrennen eingeladen die nur einmal im Jahr stattfinden. Der Karrieremodus wird allerdings nicht jeden Geschmack treffen da ihr euch ausschließlich im Eventkalender oder in der Garage befindet – Videosequenzen oder Storystrang gibt es nicht. Dafür können wir an Trainings und Qualifyings teilnehmen. Diese werden euch aber nicht aufgezwungen sondern sind optional, wobei die Teilnahme am Qualifying streng empfohlen wird wenn ihr nicht auf den letzten Startplatz katapultiert werden wollt.
Mit Glanz und Gloria
Ob Project Cars den Titel zum schönsten Rennspiel gewinnen kann ist Geschmackssache. Denn: Die Rennboliden sehen zwar richtig gut aus - und mit richtig gut meine ich besser als bei jedem anderen Rennspiel das ich in letzter Zeit in die Finger bekommen habe -, die Umgebungsgrafik kann allerdings nicht überzeugen. Zuschauertribünen sowie die Zuschauer selbst hinterlassen den Eindruck eines leblosen Flecks der in der Landschaft steht, die Vegetation ist nicht nur sehr mau -
was grundsätzlich in Ordnung ist wenn man bedenkt, dass wir uns meist auf Rennstrecken befinden - sondern erinnert grafisch an die frühen 2000er. Selbst im nahen Umfeld der Strecke herrscht Tristes. Demnach ist sehr deutlich zu merken, dass die Vehikel einen Großteil des grafischen Technikkontingents aufbrauchen. Aus diesem Grund widmen wir uns wieder den glänzenden Prachtexemplaren die wir steuern. Dabei ist neben dem gelungenen Lichteinfall und den Wetterwechseln, die für ordentlich Atmosphäre sorgen, die Cockpitansicht hervorzuheben. Das Interieur jedes einzelnen Autos wurde liebevoll und charmant umgesetzt und bis in das kleinste Detail reproduziert. Auch Renderingprobleme oder Clippingfehler finden wir selten was dazu führt, dass wir dem Brüllen der Motoren viele Stunden erlegen sind!
Multiplayer
Im online Multiplayermodus von Project Cars habt ihr sowohl die Möglichkeit einem ausgewählten Spiel der Lobby beizutreten, mittels „sofort beitreten“-Button direkt in ein Zufallsspiel einzusteigen oder ein eigenes Spiel zu erstellen. Bei letzterem habt ihr wie überall in Project Cars
eine enorme Einstellungsvielfalt. So könnt ihr unter anderem die Rennstrecke auswählen, Wettergott spielen, die Schadenmodelle von kein Schaden über optischer Schaden bis hin zu realistischem Schaden bestimmen oder die Rundenanzahl festlegen - die von einer Runde bis weit über hundert Runden reicht. Ob Spieler eurer Kreation dann allerdings beitreten ist eine andere Sache, denn um ein rasantes Spielgefühl zu erzeugen und den Puls in die Höhe zu treiben sollten möglichst viele Piloten mitfahren. Auf der Konsole gibt euch Slightly Mad Studios dabei die Option ein Rennen mit bis zu 15 weiteren Spielern zu bestreiten, auf dem PC könnt ihr euch sogar an bis zu 31 weiteren Spielern messen. Die Synchronität funktioniert dabei selbst bei dem Teilnehmermaximum einwandfrei - selbst Lags hatten wir während unserer Testzeit keine. Ergänzend zum online Multiplayermodus haben wir in Project Cars außerdem die Möglichkeit an Herausforderungen teilzunehmen um uns an anderen Fahrern zu messen. Dabei werden uns sowohl Settings als auch das Auto vorgegeben. Angst alle Herausforderungen zu absolvieren braucht ihr jedoch keine haben, da sie fast schon im Stundentakt erneuert werden!

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