Oldskool-Tiger

Vor zehn Jahren erschien Legend of Kay auf der PlayStation 2 und schaffte es allerorts gute Kritiken einzuheimsen. Jetzt, zehn Jahre später, taucht Kay mit aufgehübschter Grafik und besserem Sound wieder auf der Bildfläche auf und versucht mit klassischem Kung Fu Flair unsere Herzen aufs Neue zu erobern. Wie sehr sehnen wir uns nach den guten, alten Zeiten?
Everybody was Kung Fu fighting
Man muss ja ehrlich sein. Die Story hinter Kays Abenteuer ist so generisch, wie sie eigentlich bloß sein kann. Kay ist ein Kung-Fu Schüler in einem Katzendorf. Katzen, das sind die Chinesen unserer Geschichte und das Reich erstrahlt und blüht auf. Gorillas und Ratten dringen nun jedoch ein und nehmen unser Katzenreich in Besitz und Kay, ja, Kay ist der Auserwählte, der mithilfe seines Kung-Fu die Welt, denn nicht bloß die Katzen wurden von den bösen Eindringlingen kolonialisiert, sondern auch die Frösche, Hasen, Pandas und … ach, die ganze Welt eben! Kay selbst ist dabei der klassische Protagonist einer solchen Geschichte, immerhin muss ein Becher leer sein, bevor er befüllt werden kann, vergleichen kann man ihn dabei problemlos mit einem Zidane aus FF9, oder einem Tidus. Auch wenn man sich an solch einer Art von Story stoßen kann, so greift Legend of Kay ja trotzdem auf gewisse Art den Charme der alten Kung Fu Klassiker auf und setzt ihn recht verspielt um und das ist nicht bloß gelungen, es lässt uns auch noch ab und zu schmunzeln.
Those Cats were fast as lightning
Wir rennen, wir springen und wir kämpfen und gerade das Kampfsystem macht bei all dem doch recht viel Spaß. Gegner blocken recht gekonnt ab und kontern unsere Hiebe auch gern mal, da hilft dann bloß noch eine flotte Rolle und ein gewitzter Schwertstoß, oder wir hocken uns einfach hin und klatschen den blockenden Feind mit einem listigen Uppercut um, und wenn er dann auf dem Boden liegt, folgt eine listige Drei-Tasten-Kombination und schon springen wir hoch in die Luft und sausen mit der Klinge voran wieder runter! Zack-Bumm! Ja, das Kampfsystem macht Spaß und ist trotz der Menge an Feinden, die man uns entgegen wirft, weitestgehend frustfrei. Weitestgehend, weil man es in zehn Jahren Legend of Kay einfach nicht geschafft hat, die Kamera anzupassen. Dennoch macht das flotte Herumgehoppse im Kung Fu Style einfach bloß Spaß und wird bloß im Mittelteil mal etwas monoton.
In fact it was a little bit frightening
Ohja, die Kamera. Wenn wir nach oben sehen wollen, zoomed sie ran und nach unten können wir nur aus der Vogelperspektive schauen, während die Kamerasteuerung von Beginn an ja eigentlich invertiert ist und wir sie, um sie zu ent-invertieren, invertieren müssen. Dawg. Auch so
verliert das Spiel mit der Zeit doch etwas an Schwung, denn so großartig die Comicszenen Zwischendurch auch sein mögen, im Endeffekt laufen wir ja doch immer bloß schlauchförmige Gänge entlang, entscheiden uns mal, ob wir nach links oder rechts wollen, und gehen am Ende dann doch beide Wege und auch wenn die deutsche Synchronisation eigentlich gut gelungen ist, so ist die Lippensynchronität einfach ein massiver Graus, während wir gleichzeitig in Dialogen, obwohl wir ja Sprechen, uns selbst oft noch im Hintergrund kämpfen, schlagen oder ächzen hören. Gut gemacht ist, dass jede Rasse an sich eine eigene Art zu sprechen hat. Hasen lifbeln leift, während Frösche eben diesen französischen Akzent haben. Eigentlich, und das war 2005 eben noch nicht derart das Problem, grenzen manche der Sprechrollen ja doch ein wenig an Rassismus. Denn während wir als reine, chinesische Katzen ja blankes, großartiges Deutsch sprechen, kommen uns die Ninja Turtles mit einem recht radikalen „Alde! Was is mit dem, ey!? Dea will den Aufzug aktivieren, Mann!“ entgegen. Damals war das toll. Ali G war witzig und Erkan und Stefan waren groß im Geschäft und das war witzige Satire, also macht euch deswegen mal keinen Kopf.
But they fought with expert timing
Aber auch wenn das nun recht negativ klingt, so überwiegen die positiven Punkte doch eigentlich recht deutlich. Leider ist die Grafik nicht wirklich auf dem neusten Stand, andererseits erkennt man die neuen, glatteren, schöneren Texturen ja doch auf den ersten Blick, auch wenn sich im Hintergrund immer noch eckige Steine und im Wind wippende 2D Büsche in die Kamera drängen. Außerdem hat Legend of Kay diese liebenswerte Comic-Erzählart, in der euch die
Zwischensequenzen eben nicht als Videos aufgedrückt werden, sondern als kleine, gezeichnete Kästchen im Comicbuch, oder in der Visual Novel? Nennt es wie ihr wollt. Auch die Musik schafft etwas auf seine Art Beeindruckendes. Einerseits ist es großartiger, stimmungsvoller Sound, andererseits bleibt nichts davon, kein einziges Stück im ganzen Spiel, auch nur eine Sekunde in Erinnerung. Überarbeitete Grafik, auch wenn sie immer noch nicht wirklich herausragend ist, besserer Sound und eine Steuerung, mit Ausnahme der Kamera, die wirklich gut, flüssig und präzise funktioniert. Eigentlich alles was man von der Neuauflage eines Old School-Jump'n'Run erwartet. Nicht?

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