Halo: Campaign Evolved - Test/Review
Kaum ein anderer Ego-Shooter hat das Genre auf Konsolen so nachhaltig geprägt wie Halo: Combat Evolved.
Von Christoph Miklos am 25.07.2026 - 09:40 Uhr

Fakten

Plattformen

PlayStation 5 Pro

Xbox Series S

Xbox Series X

PlayStation 5

PC

Publisher

Xbox Game Studios

Entwickler

Halo Studios

Release

28.07 2026

Genre

Shooter

Typ

Vollversion

Pegi

16

Webseite

Preis

69,90 Euro

Media (25)

Fan-Liebe und Enttäuschung dicht beieinander


Kaum ein anderer Ego-Shooter hat das Genre auf Konsolen so nachhaltig geprägt wie Halo: Combat Evolved. Als der Titel 2001 gemeinsam mit der ersten Xbox erschien, legte er den Grundstein für eine der erfolgreichsten Shooter-Reihen überhaupt und machte Master Chief über Nacht zu einer Ikone der Videospielgeschichte. Mit Halo: Campaign Evolved kehrt dieses legendäre Abenteuer nun als vollständiges Remake zurück. Statt einer einfachen Neuauflage erwartet Spieler eine auf Basis der Unreal Engine 5 komplett überarbeitete Kampagne mit moderner Grafik, zahlreichen Gameplay-Verbesserungen sowie zusätzlichen Story-Inhalten, die das Geschehen rund um den Kampf gegen die Allianz erweitern. Doch gerade bei einem derart bedeutenden Klassiker sind die Erwartungen entsprechend hoch. Kann Halo: Campaign Evolved die Faszination des Originals bewahren und gleichzeitig genügend Neuerungen bieten, um auch Veteranen einen erneuten Besuch des Halo-Rings schmackhaft zu machen? Oder bleibt das Remake letztlich nur ein technisch beeindruckender Nostalgie-Trip? Wir haben die PC-Version ausführlich getestet und verraten, ob Halo Studios dem legendären Shooter-Klassiker gerecht wird.

Der bisher schönste Halo-Teil


Halo Studios hat Halo: Campaign Evolved technisch komplett neu aufgebaut und setzt dabei auf die leistungsstarke Unreal Engine 5. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der ikonische Halo-Ring erstrahlt in einer beeindruckenden Detailfülle, ohne dabei den unverwechselbaren Stil des Originals zu verlieren. Dichte Vegetation, hochauflösende Texturen, realistische Materialien und moderne Beleuchtung sorgen dafür, dass bekannte Schauplätze deutlich atmosphärischer wirken als noch im Klassiker von 2001. Besonders in Außenarealen erzeugen die dynamische Beleuchtung, volumetrischer Nebel und weitläufige Sichtweiten eine beeindruckende Kulisse. Auch die Charakter- und Gegnermodelle wurden vollständig überarbeitet. Master Chief, die Covenant-Soldaten sowie die Flood verfügen über deutlich mehr Details und glaubwürdige Animationen. Explosionen, Partikeleffekte und Waffenfeuer wirken zeitgemäß und verleihen den Gefechten zusätzliche Wucht. Gleichzeitig bleibt die visuelle Identität der Reihe erhalten, sodass Veteranen vertraute Orte und Designs sofort wiedererkennen. Akustisch überzeugt das Remake ebenfalls auf ganzer Linie. Der legendäre Soundtrack wurde behutsam modernisiert und entfaltet insbesondere während größerer Gefechte seine volle Wirkung. Hochwertige Umgebungsgeräusche, druckvolle Waffensounds und eine gelungene englische sowie deutsche Sprachausgabe runden den positiven Gesamteindruck ab. Auch technisch präsentiert sich Halo: Campaign Evolved in einem erfreulich ausgereiften Zustand. Während unseres Tests kam es zu keinen Abstürzen oder schwerwiegenden Fehlern. Die PC-Version bietet zahlreiche Grafikoptionen, Unterstützung für Ultrawide-Monitore, DLSS, FSR und XeSS sowie unbegrenzte Bildraten. Die Steuerung mit Maus und Tastatur reagiert präzise und auch Controller werden hervorragend unterstützt. Bei der Performance zeigt sich das Remake ebenfalls von seiner starken Seite. Selbst in großen Gefechten bleibt die Bildrate auf aktueller Hardware konstant hoch. Dank der guten Optimierung sind auch Systeme der gehobenen Mittelklasse in der Lage, das Spiel in hohen bis maximalen Details flüssig darzustellen. Lediglich in wenigen Übergangssequenzen konnten wir kurze Nachladeruckler beobachten, die den ansonsten sehr positiven Gesamteindruck jedoch kaum beeinträchtigen.

Aufgebohrte Story


An der Handlung selbst haben die Halo Studios bewusst nur behutsame Änderungen vorgenommen. Die Geschichte folgt weiterhin den Ereignissen des Originals: Als der Supersoldat Master Chief nach der Zerstörung der Pillar of Autumn auf dem geheimnisvollen Halo-Ring notlandet, beginnt ein erbitterter Kampf gegen die Allianz – ein Bündnis verschiedener außerirdischer Spezies. Schon bald wird jedoch klar, dass sich auf der Ringwelt eine weitaus größere Gefahr verbirgt, die das Schicksal der gesamten Galaxie bedroht. Während der grundlegende Handlungsverlauf unverändert bleibt, wurden zahlreiche Zwischensequenzen optisch aufgewertet und an einigen Stellen um zusätzliche Details erweitert. Diese kleinen Ergänzungen schlagen geschickt eine Brücke zu späteren Serienteilen und greifen bekannte Figuren oder Ereignisse aus dem Halo-Universum auf. So überreicht Captain Keyes dem Master Chief beispielsweise nicht mehr irgendeine Standardwaffe, sondern eine Pistole mit besonderer Bedeutung für den weiteren Verlauf der Reihe. Solche Anspielungen fallen allerdings vor allem langjährigen Halo-Fans auf, die mit der umfangreichen Hintergrundgeschichte vertraut sind. Neueinsteiger müssen sich dagegen weiterhin auf einen vergleichsweise direkten Einstieg einstellen. Campaign Evolved wirft den Spieler ohne lange Erklärungen mitten ins Geschehen und setzt viele Hintergründe als bekannt voraus. Zwar lässt sich der zentrale Konflikt problemlos nachvollziehen, wer jedoch tiefer in die Geschichte des Master Chief, der Allianz oder des Halo-Universums eintauchen möchte, muss sich diese Informationen außerhalb des Spiels oder in den späteren Ablegern der Reihe erschließen.

Starkes Gunplay


Schon das Original zeichnete sich durch sein ausgezeichnetes Gameplay aus – und daran hat sich auch im Remake nichts geändert. Die Gefechte fühlen sich selbst heute noch erstaunlich frisch an und überzeugen durch ihre gelungene Mischung aus Schusswaffen, Granaten und Nahkampfangriffen. Nur wer alle drei Elemente sinnvoll kombiniert, kann insbesondere auf den höheren Schwierigkeitsgraden erfolgreich bestehen. Jede Waffe besitzt dabei ihre eigenen Stärken und Einsatzgebiete. So eignen sich Plasmapistolen hervorragend gegen Energieschilde, während konventionelle Waffen ungepanzerte Gegner effizient ausschalten. Dadurch entsteht ein angenehm taktischer Spielfluss, der zum Wechseln der Bewaffnung motiviert. Ein weiterer großer Pluspunkt ist die intelligente Gegner-KI. Eliten gehen offensiv vor, nutzen Deckungen und ziehen sich bei erschöpften Schilden zurück, während Grunts nach dem Tod ihres Anführers häufig panisch die Flucht ergreifen. Zusammen mit den zahlreichen Sprachkommentaren der Gegner wirken die Kämpfe lebendig und verleihen den unterschiedlichen Alien-Völkern deutlich mehr Persönlichkeit als in vielen Genrevertretern.
Für zusätzliche Abwechslung sorgen die regelmäßig eingestreuten Fahrzeugpassagen. Ob im Warthog oder im mächtigen Scorpion-Panzer – die größeren Schlachten lockern das Spielgeschehen gekonnt auf und zählen nach wie vor zu den Highlights der Kampagne.

Sinnvolle Verbesserungen und neue Inhalte


Für das Remake haben die Halo Studios an mehreren Stellen behutsame Anpassungen vorgenommen, ohne den Charakter des Originals zu verändern. Besonders erfreulich: Die berüchtigte Mission „Die Bibliothek“, die seit jeher zu den umstrittensten Abschnitten der Reihe zählt, wurde überarbeitet. Eine bessere Wegführung und kleinere Änderungen am Leveldesign erleichtern die Orientierung spürbar. Zwar zieht sich die Mission stellenweise noch immer etwas in die Länge, spielt sich insgesamt aber deutlich angenehmer als im Original. Auch das Gameplay wurde sinnvoll modernisiert. So können nun nahezu alle Waffen über eine Zoom-Funktion verfügen, der Master Chief beherrscht erstmals einen Sprint und die Lebensenergie regeneriert sich automatisch. Puristen mögen diese Änderungen kritisch sehen, doch sie orientieren sich an modernen Shooter-Standards und erleichtern insbesondere Neueinsteigern den Einstieg. Wer das klassische Spielgefühl bevorzugt, kann einige dieser Komfortfunktionen optional deaktivieren. Eine kleine Schwäche bleibt jedoch bestehen: Das fehlende Hochziehen an Kanten wirkt aus heutiger Sicht etwas antiquiert. Gerade wenn ein Sprung nur knapp misslingt, fühlt sich die Steuerung unnötig sperrig an – eine Komfortfunktion, die in neueren Halo-Titeln längst selbstverständlich ist. Komplett neu sind drei Bonusmissionen, die zeitlich vor der eigentlichen Kampagne spielen. Sie erzählen eine eigenständige Geschichte rund um Master Chief und Sergeant Johnson und führen mit den Brutes einen neuen Gegnertyp sowie bekannte Waffen wie Battle Rifle und Needle Rifle aus späteren Serienteilen ein. Den Abschluss bildet eine Weltraumschlacht, die optisch zwar beeindruckt, spielerisch jedoch recht unspektakulär ausfällt. Insgesamt hinterlassen die Zusatzmissionen einen gemischten Eindruck. Die neuen Gegner und Waffen bringen zwar etwas frischen Wind ins Gameplay, doch die Einsätze leiden unter wiederholenden Umgebungen, langen Arenakämpfen und einer eher belanglosen Handlung. Für Halo-Fans sind sie eine willkommene Dreingabe, als alleiniger Kaufgrund taugen sie jedoch nicht.

Koop und kein Multiplayer


Zu den größten Stärken von Halo: Campaign Evolved zählt der Koop-Modus. Die Kampagne lässt sich erstmals mit bis zu vier Spielern und sogar plattformübergreifend absolvieren. Gerade die chaotischen Gefechte gegen Allianz und Flood sowie die gemeinsamen Fahrzeugpassagen sorgen für jede Menge unterhaltsame Momente und machen im Team noch deutlich mehr Spaß als allein. Mit einer Spielzeit von rund zehn bis zwölf Stunden fällt die Kampagne angenehm umfangreich aus. Für zusätzliche Motivation sorgen versteckte Lore-Terminals und insgesamt 42 Schädel – so viele wie nie zuvor in einem Halo-Spiel. Diese schalten verschiedene Gameplay-Modifikatoren frei, die von erhöhtem Schwierigkeitsgrad bis hin zu humorvollen Effekten wie Feuerwerk bei Kopfschüssen oder einer alternativen Kameraperspektive reichen. Wer gerne auf Entdeckungstour geht, erhält dadurch einen ordentlichen Wiederspielwert. Umso enttäuschender ist jedoch das Fehlen des klassischen Mehrspieler-Modus. Gerade dieser war für viele Fans ein wesentlicher Bestandteil der Halo-Erfahrung und machte Karten wie Blood Gulch oder die Fahrzeuggefechte unvergesslich. Angesichts der gelungenen Gameplay-Modernisierungen wäre ein überarbeiteter PvP-Modus eine ideale Ergänzung gewesen.

Die Probleme


Allerdings übernimmt das Remake nicht nur die Stärken des Originals, sondern auch dessen Schwächen. Vor allem das stellenweise ausgeprägte Backtracking wirkt aus heutiger Sicht spürbar angestaubt. Insbesondere in der zweiten Spielhälfte führt der Weg mehrfach durch bereits bekannte Abschnitte, was den Spielfluss merklich ausbremst und für unnötige Längen sorgt. Mit dem Auftauchen der Flood verändert sich außerdem die Atmosphäre grundlegend. Aus den weitläufigen Gefechten gegen die Allianz wird zunehmend ein düsteres Survival-Abenteuer in engen Korridoren und verlassenen Anlagen. Dieser Stilwechsel sorgt zwar für gelungene Horror-Momente und bringt frischen Wind in die Handlung, spielerisch verlieren die Kämpfe jedoch etwas an Abwechslung. Die Konfrontationen mit den Flood verlaufen häufig nach einem ähnlichen Muster und erreichen nicht mehr ganz die taktische Tiefe der Gefechte gegen die Allianz. Zwar gipfelt die Kampagne in einem packend inszenierten Finale, dennoch zeigt sich an diesen Stellen deutlich, dass das zugrunde liegende Leveldesign inzwischen über zwei Jahrzehnte alt ist. Die Halo Studios haben einige Schwächen zwar entschärft, vollständig kaschieren lassen sie sich jedoch auch im Remake nicht.

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