Alle weg

Sony hat einen neuen Exklusivtitel! Zugegeben, der ominöse Titel Everybody’s Gone to the Rapture steht nicht unter dem Merkmal „AAA“, legt dafür aber merklich Wert auf eine tiefgründige Story - ich würde fast meinen, einer der intensivsten Story Driven Titel der PlayStation 4 - und kostet nur rund 20 Euro (für PS+ Mitglieder sogar nur 16 Euro). Was ihr euch von dem Downloadtitel erwarten könnt erfahrt ihr, wie immer, in unserem Testbericht!
Geschichte
Everybody’s Gone to the Rapture erzählt uns die Geschichte der Einwohner einer kleinen englischen Stadt, in der durch ein mysteriöses Ereignis die Apokalypse eintrat. Erst beginnen die Menschen wirres Zeug zu reden, dann beginnen sie aus der Nase zu bluten bis sie letzten Endes ein Licht sehen und verschwinden. In dieser Welt, dieser Geisterstadt, in der bis auf wenige Blutspuren und tote Vögel am Boden nichts mehr an einst lebende Organismen erinnert, ist es unser Ziel die Hintergründe der Apokalypse zu erfahren. Auf dem Weg durch die ausgestorbene Welt folgen wir einem Lichtkegel, der uns durch die wagen Erinnerungen von sechs Schlüsselpersonen des Unglücks führt und uns die komplexe sowie von Emotionen geprägte Geschichte näher bringt. Dabei hält uns das Entwicklerteam von The Chinese Room einen Spiegel vor und weist darauf hin, wie willkürlich und dennoch rational Menschen in Ausnahmesituationen handeln können...
Gameplay
Wer von euch den obigen Absatz gelesen hat wird es schon gemerkt haben: Wir sind vollkommen allein in dieser Welt! Hier und da läuten Telefone in Telefonzellen, die Gespräche der Vergangenheit wiedergeben und ab und an finden wir ein senderloses Radio mit dem wir vergangene Meldungen über den Ausnahmezustand hören. Abgesehen von diesen interaktiven
Elementen ist es unsere Aufgabe dem Licht zu folgen. Das Hauptaugenmerk liegt aber darauf die Gegend zu erkunden, da uns – wenn wir nur dem undefinierbaren Lichtpunkt folgen – lediglich ein Bruchteil der umfangreichen Geschichte erzählt wird. Damit wird das Erkunden von Häusern, Scheunen und Garagen zu einem wesentlichen Bestandteil des Spielerlebnisses. Gesteuert wird unser Charakter mit linkem sowie rechtem Stick, interagiert wird mit dem X Button – so einfach kann es sein. Auch der Sound ist – dafür, dass wir in einer leblosen und stillen Welt umherirren – durchaus gelungen. Wir finden uns kaum in Szenen wieder in der Stille herrscht, obwohl ein Mitgrund dafür sicherlich die andauernden Storyfetzen sind, die wir zugeworfen bekommen. Außerdem ist die Atmosphäre mehr als gelungen. Allein das Endzeit-Setting in dem wir uns befinden sorgt für Unbehagen - in Kombination mit dem erkunden einer „leeren“ Welt, den Autos, den Häusern, den Feldern und den Scheunen sorgt The Chinese Room für eine königliche Mischung aus Mysterien und Grusel – die USK 12 Freigabe ist dennoch fragwürdig. Trotzdem: Ihr irrt oft ohne Ziel durch die Welt, da das Licht nicht immer in Sichtweite ist. Das wiederum sorgt für weite Gehwege, die nach den ersten 2-3 Stunden langatmig wirken und sich zu ziehen beginnen. Das wirklich Unangenehme dabei ist aber, dass ihr in Everybody’s Gone to the Rapture weder sprinten, noch schnell gehen könnt! Das gibt euch zwar die Möglichkeit über die gerade miterlebten Geschichtsteile nachzudenken, sorgt aber auch dafür, dass ihr immer wieder aus der Atmosphäre gerissen werdet und der Spielspaß keinen konstanten Level hält – außerdem erhöht es die Spielzeit sicher um 1-2 Stunden...
Grafik
Ladies und Gentlemen, Everybody’s Gone to the Rapture basiert auf der CryEngine! Soll heißen: Physics sind genial und das Spiel sieht richtig, richtig gut aus. Die Lichteinfälle und Schatteneffekte sind grandios und geben der offenen Spielwelt das gewisse Etwas um sich auf die
Geschichte einlassen zu können. Dass Texturen und Pflanzen dabei nicht immer so dreidimensional sind wie sie sein sollten fällt dabei nur am Rand auf. Einen leicht fahlen Beigeschmack hat allerdings, dass wir uns selbst in der 1st Person nicht sehen – auch keine Spiegelung und keinen Schatten. Na gut, das ist jammern auf hohem Niveau doch was uns während der Testzeit wirklich negativ aufgefallen ist, ist, dass alle Personen deren Geschichte wir erfahren, in Videosequenzen lediglich durch Licht dargestellt werden – keine Charaktermodelle, nicht einmal Silhouetten. Schade, denn um uns wirklich mit den Charakteren zu identifizieren wäre zumindest das angedeutete Aussehen ganz nett gewesen. Alles in allem bleibt das aber trotzdem meckern auf hohem Niveau, denn generell wird The Chinese Room’s neuestes Werk grafisch alle überzeugen können – besonders für diesen Preis.

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