Flott und blutig

Schlappe 12 Jahre mussten Shooter-Fans auf einen neuen Doom-Teil warten. Der vierte Höllenausflug trägt lediglich den Namen „Doom“ und kann demnach als Reboot angesehen werden. Was wir schon verraten können: Auch das „neue“ Doom setzt auf flotte und unkomplizierte Dauer-Action.
Story? Nice to have!
Die Geschichte von Doom ist schnell erzählt: Wir erwachen als namenloser Soldat in einer Art Sarkophag und bekommen erste Anweisungen von Roboter-Arzt Dr. Samuel Hayden. Von dem netten Doc erfahren wir auch, dass die Mars-Station der UAC („Union Aerospace Corporation“) von Dämonen überrannt wurde und sämtliches Personal tot ist. Schuld daran ist die satanistische Wissenschaftlerin Olivia Pierce, die mit dem Ziel der Total-Apokalypse die Tore der Hölle mutwillig aufgestoßen hat. Unser Auftrag: Sämtliche Tore schließen. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn wir treffen im Sekundentakt auf fiese Imps und andere Höllenviecher.
Flottes Gameplay
Zeit für eine Verschnaufpause lässt uns das Programm nicht. Bereits wenige Sekunden nach der kurzen Einstiegssequenz müssen wir, bewaffnet mit einer Pistole, erste Gegner ausschalten und uns einen Kampfanzug organisieren. Auch in den nächsten Stunden bleibt es unruhig, wenn wir die engen Korridore der Forschungsstation bzw. die offenen Marsareale von den zahlreichen Dämonen säubern. Als kleine Unterstützung im Kampf gegen die Höllenbrut haben die Entwickler von id Software die sogenannten „Glory Kills“ eingeführt. Diese laufen wie folgt ab: Hat ein Gegner ausreichend Kugeln „geschluckt“, beginnt er zu taumeln (wird durch ein blau-oranges Leuchten dargestellt) und kann dann per Tastendruck mit einem blutigen Finisher erledigt werden. Das Besondere: Wenn man einen Gegner so tötet, bekommt man mehr Gesundheitspunkte spendiert. Dieses Feature ist deswegen wichtig, weil es kein automatisches Heilungssystem. Während der knapp zwölfstündigen Kampagne muss man also stets nach Medikügelchen und Rüstungsteilen Ausschau halten, damit man nicht versehentlich ins digitale Gras beißt. Alternativ kann man auch zur Kettensäge greifen, die man recht früh im Spiel findet und mit dieser für noch blutigere Finisher sorgen.
Übrigens: Es gibt fünf Schwierigkeitsstufen, die wie in den ersten Doom-Spielen benannt wurden, etwa „Zu Jung zum Sterben“ oder „Los, gibt's mir“. Der höchste Schwierigkeitsgrad, Ultra-Alptraum, richtet sich nur an Profi-Zocker.
Große Level und Upgrades
Die Areale von Doom sind deutlich größer und zum Teil komplexer aufgebaut als in den bisherigen Teilen. Da wir immer wieder Schlüsselkarten für verschlossene Luftschleusen suchen müssen, flitzen wir oft teilweise mehrfach hin und her im Level. An manchen Stellen haben wir
uns sogar verlaufen. Über dieses Element haben wir uns wirklich geärgert! Auch etwas überraschend: Das neue Doom ist sehr hell und es kommt nur sehr selten zu gruseligen Momenten - kein Vergleich zum Quasi-Vorgänger Doom 3. Ebenfalls neu sind die teils recht ausgedehnte Hüpfpassagen. Dann muss man von Plattform zu Plattform springen, um das Ziel zu erreichen. Das ist eigentlich ganz gut gemacht, weil man mit einem Doppelsprung fast schon eher fliegt als nur springt und auch die grundsätzliche Steuerung ist sehr gelungen. Eine weitere Neuerung, vor allem für „Oldskool“-Zocker: man kann seine Waffen und Rüstung verbessern. Mit sogenannten Waffenpunkten können wir zum Beispiel den Sekundärfeuermodi unsereres Schießprügels freischalten. Alternativ findet man auch Rüstungspunkte und Höllenenergie (Lebenspunkte, Rüstung und Muntionsmenge erhöhen).
Multiplayer
Neben der Kampagne gibt es auch einen Mehrspielermodus. Zur Auswahl stehen sechs Spielmodi und insgesamt neun gut designte Karten. Auch im Multiplayer ist das Tempo sehr hoch - auf Fahrzeuge und Klassen wurde verzichtet. Im Verlauf der Multiplayer-Karriere kann man eigene Waffensets zusammenstellen (jeder Spieler kann nur zwei Hauptwaffen und einen Granatentyp mit sich tragen) und seine Rüstung individuell gestalten (verschiedene Farben und Rüstungstypen). Das Balancing ist leider, trotz langer Betaphase, eher dürftig ausgefallen. Einige Waffen (zum Beispiel die Schrotflinte) sind viel zu stark - auch die Nahkampfattacken und das Monster (wird per Rune aktiviert) sind zum aktuellen Zeitpunkt „overpowered“. Unser Eindruck vom Doom-Mehrspielerpart: Für Zwischendurch ganz nett, aber nichts für stundenlange Sessions am Wochenende.
Eigene Maps erstellen
Ein weiterer Menüpunkt ist „Snapmap“. Dahinter verbirgt sich zum einen ein Karteneditor, zum anderen die Unterstützung für Mods. Für den Editor gibt es interaktive Tutorials, und er lässt sich generell gut bedienen. Wer eigene Karten anfertigen will, muss trotzdem mit ein paar Stunden Einarbeitung rechnen. Das Angebot an Karten, die von Mitgliedern der Community erstellt wurden, ist bereits recht groß und durchaus hochwertig.
Technik
Doom setzt erstmals auf die neue id Tech 6 Engine. Herausragendes Merkmal des Grafikgerüstes sind die Megatexturen - was bedeutet, dass beinahe jedes noch so kleine Polygon mit einer individuellen Tapete verkleidet werden kann. Alle diese Texturen ergeben die besagte Megatextur. Auf maximalen Details sieht der Shooter sehr gut aus und punktet mit hübschen Lichteffekten, recht scharften Texturen sowie flüssigen Animationen. Ebenfalls erfreulich: Auch auf etwas älteren PC-Systemen läuft das Spiel rund. Gravierende Bugs bzw. Abstürze konnten wir während unserer Testzeit nicht feststellen.
Unser Testvideo zu Doom

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