Besser als SimCity

Vor knapp 12 Jahren war SimCity 4 das Maß aller Dinge im Städtebau-Simulations-Genre. Danach mussten Fans der Reihe lange warten und wurden mit SimCity (2013) von EA und Maxis enttäuscht. Auch die Cities-Serie von Monte Cristo konnte SimCity 4 nie das Wasser reichen. Mit dem neuen Cities: Skylines haben Publisher Paradox Interactive und Entwicklerstudio Colossal Order viel daran gelegt, die Herzen der Städtebauer zu gewinnen. Wir haben den möglichen Hoffnungsbringer ausführlich getestet.
Am Anfang war eine Straße
Eingefleischten SimCity-Fans werden die ersten Schritte im neusten Cities-Ableger bekannt vorkommen: Man erwirbt ein leeres Stück Land und baut die ersten Straßenmeter. Danach folgen per Mausklick die Wohn-, Einkaufs- und Industriegebiete. In der frühen Phase des Spiels sind die Möglichkeiten noch eingeschränkt. Kleinere Häuser, Geschäfte und Schwerindustrie dominieren die ersten Stadtviertel. Wo gewohnt und gearbeitet wird, braucht es Frischwasser, ein Abwassersystem und Strom. Im Gegensatz zu SimCity (2013) muss die Kanalisation und Wasserzufuhr eigenständig verlegt werden. Sobald die Stadt ein paar Tausend Einwohner hat, müssen Polizei, Feuerwehr und Arztpraxen her. Im späteren Verlauf wird aus der Arztpraxis ein Krankenhaus, aus dem kleinen Feuerwehrhaus ein Feuerwehreinsatzgebäude usw.. Natürlich müssen auch Schulen, Friedhöfe und Mülldeponien errichtet werden. Der stetig steigende Energiebedarf wird am Anfang noch durch mehrere Windräder und später durch ein modernes Kernkraftwerk abgedeckt. Boden-Ressourcen, Inseln und bezahlbares Zusatzland können außerdem erschlossen und bebaut werden, was den Optimierungs- und Bau-Trieb weiters in die Höhe treibt. Doch keine Sorge: Im späteren Verlauf des Spiels sind Geldsorgen eher nebensächlich. Geld fließt trotz ständiger Investitionen weiterhin in die Stadtkasse. Hierbei zeigt das Spiel noch einiges an Verbesserungsbedarf, um den Langzeitspielspaß nicht zu vermiesen. Mittels Modding kann der Schwierigkeitsgrad bereits deutlich angekurbelt werden, trotzdem wäre eine erschwerte Haushaltspolitik durchaus wünschenswert.

Der richtige Straßenbau
Eine der großen Stärken von Cities: Skylines ist das durchdachte Verkehrssystem. Kein Wunder, schließlich waren die Entwickler auch für die Verkehrssimulation Cities in Motion verantwortlich. Die Verlegung der Straßen wurde sehr einfach gestaltet, trotzdem ist es möglich, komplexen Konzepten nachzugehen, die im Laufe der Zeit auch nötig sind, um nicht ein Verkehrschaos zu verursachen. Alternativ kann man aber auch auf öffentliche Verkehrsmittel (Bus, U-Bahn) zurückgreifen. Während es anfangs egal ist, wie und wohin die Straßen verlegt werden, muss nach einer Weile ein durchdachtes Konzept her, um nicht komplett im Verkehrschaos zu versinken. Die Spieltiefe beim öffentlichen Verkehr tut dem Game gut.
Große Stadt mit eigenen Vierteln
Der größte Kritikpunkt am letzten SimCity-Teil war die arg begrenzte Baufläche. Selbst mit einem perfekten Platz-Management konnte man nie eine Großmetropole erschaffen. Bei dem EA-Titel standen bei einer Stadt nur 4 km2 Bauplatz zur Verfügung. Dem gegenüber stehen bei Skylines insgesamt 36 km2 Spielfläche. Diese lässt sich dank eines bereits downloadbaren Mods noch dazu auf 100 km2 ausweiten. Ein neues Feature im Städtebau-Simulations-Genre: Man kann Städteviertel erstellen. Diese helfen einerseits die Übersicht zu bewahren, andererseits dabei, eigene Regeln und Gesetze nur für Teile der Stadt festzulegen. Taktisch richtig angewendet, hilft dies etwa, die Zufriedenheit in einem Viertel anzukurbeln oder die Kriminalität oder Brandgefahr zu vermindern.
Ein paar Funktionen haben wir aber dann doch vermisst: Unterschiedliche Jahreszeiten, einen Tag- und Nachtwechsel, einen Mehrspielermodus und Katastrophen. Die Entwickler sind sich aber über diese Probleme bewusst und wollen diese Funktionalitäten daher mit künftigen Updates nachliefern. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass es bereits wenige Tage nach dem Launch unzählige Mods für das Spiel zum Downloaden gab. Und: Eine „Always-on“-Verbindung wird dafür nicht vorausgesetzt.
Hübsche und flotte Stadt
Die Spielwelt präsentiert sich lebendiger und wuseliger als zuvor. Die Umgebung, Gebäude, Menschen und vieles mehr sind detailliert, schön animiert und äußerst farbenfroh. Die Kamera lässt sich leicht bewegen sowie zoomen. Unschön fällt hingegen die teils optische Monotonie auf: Gleichaussehende Fahrzeuge und Gebäude findet man öfters im Spiel. Auch hier wurde jedoch vonseiten der Entwickler Verbesserung gelobt, Mods schaffen bereits Abhilfe. Ein weiterer Pluspunkt für die hauseigene Engine: Selbst in einer Mega-City kommt es nie zu Performance-Problemen.

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