Eine fantastische Welt/Frau

Keine düstere Unterwasserstadt. Keine blutverschmierten Wissenschaftler. Und natürlich auch keine Big Daddys und Little Sisters. Im dritten Bioshock-Teil schicken uns die Entwickler von Irrational Games in luftige Höhen und bekommen als Begleitperson die lebhafte Elizabeth spendiert. Ob die Veränderungen der Shooter-Serie gut getan haben?
Gläubige statt Wissenschaftler
In Bioshock Infinite schlüpfen wir in die Rolle von Privatermittler Booker DeWitt, der im Jahr 1912 in die schwebende Stadt Columbia reist. Unser Auftrag: Wir sollen eine junge Frau namens Elizabeth finden und retten. Die ersten 20 Minuten laufen sehr ruhig ab: Die Fliegende Stadt bietet reichlich Frischluft, freundliche Menschen (sogar ein homosexueller Gesangschor ist mit von der Partie) und verwöhnt uns mit sonnendurchfluteten Gassen. Doch plötzlich geht es Schlag auf Schlag: Das Blut von einem Polizisten spritzt uns ins Gesicht und wir müssen um unser Leben fürchten. Zum Glück dauert es nicht lange, bis wir Elizabeth gefunden haben. Aber von jetzt an haben wir ein noch viel größeres Problem. Mehr wollen wir an dieser Stelle von der bis zum Ende spannend bleibenden Handlung nicht verraten.
Shooter
Aus der Ego-Perspektive heraus ballern wir mit Pistolen, Gewehren und Maschinenpistolen auf heranstürmende Gegner. Alternativ können wir aber auch unsere Spezialfähigkeiten einsetzen. So können wir mit der rechten Maustaste erst Selbstschussanlagen „überreden“, auf unsere Seite zu wechseln, später auch menschliche Gegner. Heftig: Wenn der Kampf vorüber ist, begehen die (Ex)Feinde Selbstmord und pusten sich vor unseren Augen etwa mit der umgedrehten Schrotflinte den Schädel weg. Wirklich anspruchsvoll sind die zahlreichen Kämpfe nicht, was vor allem an der eher durchschnittlichen KI der Feinde liegt. Erst wenn wir das Spiel einmal beendet haben, können wir in einem zusätzlichen Modus namens 1999 einen weiteren Durchgang wagen, der dann tatsächlich ziemlich happig ist.
Eine wirklich gute Idee ist das Schienensystem. Storytechnisch erklärt als Möglichkeit, innerhalb einer fliegenden Stadt Waren zu transportieren, bieten die luftigen Trassen eine spaßige Erweiterung gewohnter Shootermechaniken. Auf Knopfdruck hakt Booker sich per Gadget an einer Schiene ein, und landet im Idealfall nach einer Achterbahnfahrt durchs feindliche MG-Feuer direkt auf der Plattform mit den lästigen Raketenschützen. Trotz recht weitläufiger Areale bleibt Bioshock Nummer 3 sehr linear und bietet kaum alternative Routen.

Sammeln und kaufen
Abseits der Ballerorgien durchsuchen wir Kisten, Mülltonnen und natürlich erledigte Gegner nach Dollarmünzen, Lebensmittel für das Auffüllen des Gesundheitsbalkens, Munition für unsere Waffen oder Salz, mit welchem wir die Spezialkräfte-Manaleiste wieder aufladen. Außerdem gibt es Extras, die meist besonders gut versteckt sind. Dazu gehört Bekleidung, die Bookers Fähigkeiten weiter verstärkt, beispielsweise Hüte, die mehr Feuerschaden verursachen, oder eine Jacke für mehr Schutz durch den Schild. Vier davon kann der Hauptcharakter gleichzeitig tragen. Nach einer gewissen Zeit nervt aber das ständige Sammeln, da es vom eigentlichen Spiel ablenkt.
Unsere Begleiterin
Mit Elizabeth liefern die Entwickler von Irrational Games den wohl besten KI-Buddy aller Zeiten ab. Die hübsche und etwas naive Dame zaubert uns stets ein Lächeln ins Gesicht, und das obwohl wir ständig von Feinden umringt sind. In einer Szene tanzt sie anrührend an einer Strandpromenade einfach so aus Lebenslust in einer Gruppe von Badegästen. Darüber hinaus ist das Mädl auch wahnsinnig nützlich in Gefechten, da sie uns bei Bedarf Heilpakete und Munition zuwirft. Sie selbst kann aber keinen Schaden nehmen. Außerhalb der Kämpfe öffnet sie mit ihrer Haarnadel oder mit Dietrichen verschlossene Türen oder Tresore. Etwas später in der Kampagne wird die Lady noch nützlicher: Dann kann sie auf unseren Wunsch über Dimensionsrisse Gerät wie eine für uns kämpfende Selbstschussanlage oder eine Truhe mit Heilmedizin herbeizaubern.
Technik
Trotz in die Jahre gekommene Unreal 3-Engine sieht Bioshock Infinite, vor allem auf dem PC, sehr hübsch aus. Eine imposante Architektur, hohe Weitsicht und hübsche Lichteffekte sorgen für eine tolle Atmosphäre. Lediglich die matschigen Texturen und gelegentlichen Leistungseinbrüche müssten nicht unbedingt sein. Die Sprachausgabe ist insgesamt gelungen, nur die Stimme der Elizabeth finden wir in der US-Fassung besser. Auch bei der Hintergrundakustik gibt es keine gravierenden Kritikpunkte zu vermelden.

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