Ende der Saga

Setzt euch, setzt euch, meine Freunde. Und lasst mich von einer Saga erzählen, die sich seit Jahren auf Bannern abzeichnet und jetzt ein Ende findet. Die meisten von euch haben es vermutlich erraten: The Banner Saga 3 von Entwickler Stoic zeichnet das Ende der epischen Geschichte am Horizont. Wir haben unser Banner dem von Alette und Rook angehängt und alle Ereignisse aus erster Hand erfahren.
Und wir singen...
… von Rook und Alette. Wer erinnert sich nicht, als wir 2014 das erste Mal in das ausschweifende Universum von Banner Saga starteten? Damals waren wir sicher und behütet in unserem Heimatdorf Skogr, bis die steinernen Dredge auftauchten, die seit Jahren als vernichtet angesehen wurden. Seitdem ist so viel geschehen. Welche Freunde haben wir verloren? Welche Entscheidungen haben wir getroffen? Welchen Weg haben wir eingeschlagen? Banner Saga ist ein Spiel, das stark von seiner Story abhängt. In diesem Sinne sei jeder gewarnt, der absolut nichts von der Story hören will, denn in den nächsten Zeilen wir zweifellos über die Geschehnisse aller Spiele gesprochen! Schaut lieber auf den nächsten Abschnitt dieses Artikels! Von nun an gibt es Spoiler! Ab hier: Damals brachen wir als Vater-Tochter-Gespann auf, nur im Bestreben, uns selbst zu retten. In der Zwischenzeit machten wir Bekanntschaft mit den Varl, einem Riesenvolk, dessen Tage früher oder später gezählt sind, da sie am Aussterben sind. Wir schlossen eine zweifelhafte Freundschaft mit magisch begabten Valka. Selbst fremde Zentaurenvölkern schlossen sich unserem Banner, unserem Zug an Überlebenden, an. Inzwischen sind wir so viel weiser. Wir wissen, dass die angsteinflößenden Dredge nicht aus reiner Blutlust in die Länder der Menschen und Varl vorstoßen, sondern weil sie vor der Dunkelheit fliehen. Einer Dunkelheit, die nach und nach die ganze Welt verschlingt. Die Natur wird verdreht und entstellt und Lebewesen finden sich als verformte, geistlose Kreaturen wieder, die nur Mord und Totschlag kennen. Zu allem Überfluss wartet da draußen auch noch die gigantische Schlange, deren einziger Sinn zu schein scheint, die Welt zu verschlingen!
Am Ende steuern wir in Banner Saga 3 zwei Gemeinschaften: Eine Gruppe, die sich mit hunderten Überlebenden in der Hauptstadt der Menschen verschanzt und dem Ende der Welt entgegenblickt und eine andere Gruppe, die sich in das Herz der Finsternis wagt, um der Apokalypse Einhalt zu gebieten. In Banner Saga 3 werden Hoffnungen erfüllt oder zerstört, Rechnungen beglichen und vielleicht eine Welt gerettet.
Zum Kampf!
Markant für die Banner Saga-Reihe ist der Karawanenmodus. Wir haben eine Anzahl von Mitgliedern in unserer Karawane, manche können kämpfen, manche verbrauchen nur Nahrung. Alle wollen essen. Im letzten Teil der Saga tritt dieser Aspekt allerdings zunehmend in den Hintergrund. Denn mehr und mehr kommt es auf unsere Entscheidungen an! Wir können unseren Speicherplatz aus dem zweiten Teil importieren, wenn wir uns keinem generischen Spielstand stellen wollen. Und dann kommt es eben darauf an: Welche Entscheidungen haben wir getroffen? Wie groß ist unser Tross? In wirklichen Gefechten steuern wir dann auf einem schachbrettartigen Schlachtfeld besonderen Recken, die wir teilweise seit dem ersten Teil kennen. Jeder Kämpfer hat zwei Werte: Rüstung und Leben. Je mehr Leben ein Kombattant hat, desto mehr Schaden kann er auch anrichten. Sinkt der Wert allerdings auf null, ist er außer Gefecht. Rüstung wiederum schützt Leben. Wollen wir also starke Treffer austeilen, senken wir erst die Rüstung des Gegners, müssen solange aber auch starke Gegenwehr erwarten. Weil jeder unserer Kämpen einer Klasse angehört, besitzt auch jeder ein eigenes Set aus Skills. Die können mal unterstützen, mal Flächenschaden verursachen oder Gegner schwächen. Da Banner Saga 3 das Finale der Story ist, steigen unsere Gruppen relativ hoch im Level ein. Anfänger könnten hier also Probleme haben sich zurechtzufinden. Aber noch immer wird hier viel über die Story getragen. Schließlich geht die Welt unter, nicht? Wir reden mit den Mitgliedern unserer Gemeinschaft, hören uns ihre Sorge an und, wenn wir die falschen Entscheidungen treffen, verlieren wir sie auch. Denn immer wieder ist unsere Meinung gefragt. Überraschungsangriff! Retten wir Vorräte oder Leben? Sorgen wir für knallharte Disziplin oder sind wir nachsichtig? Wir fechten und diplomatisieren uns unseren Weg durch die Hauptstadt und die ewige Dunkelheit.
Ewige Dunkelheit?
Was waren das für vier Jahre mit Banner Saga! Und genau das ist es ja, eine Saga. Ganz im nordischen Stile wird uns hier ein Epos in drei Teilen ausgebreitet. Das kann zuweilen sehr zäh und gesprächslastig sein, das wollen wir nicht verhehlen. Auch im dritten Teil läuft das nicht anders. Mehr noch, gefühlt engt sich unsere Entscheidungsvielfalt zunehmend auf das Ende hin ein. Aber damit bleibt Banner Saga seinem eigenen Stil und Verlauf treu! Trotz all unserer Entscheidungen hören wir viel über die Leben und Gedanken der Leute, die uns folgen. Schließlich folgen uns nicht nur gestählte Helden, sondern auch der gestandene Familienvater, dessen Hoffnung es nach wie vor ist, dass wir seine Kinder durch das Armageddon führen können. Aber es gibt auch den ein oder anderen Makel an The Banner Saga 3. In der Beta-Version, die wir gespielt haben, waren das unter anderem Fehler in der Übersetzung. Von doppelten Wörtern bis hin zu absolut verschrobenen, keinen Sinn ergebenden Sätzen war alles dabei. Allerdings können wir trotzdem der Story folgen. Anders sieht das allerdings aus, wenn wir die ersten beiden Teile nicht gespielt haben. Wie bereits gesagt, Banner Saga lebt von seiner Story. Man kann es spielen, ohne Banner Saga 1 und 2 gespielt zu haben, aber man wird eben vieles nicht verstehen. Also zurück zu Teil 1! Auch blieben wir in unserem Test ab und an im Zug des Gegners stecken, wenn dieser einen bestimmten Skill verwendete. Dann war das Laden eines alten Spielstandes angesagt, aber das sollte recht leicht rauszupatchen sein.
Allerdings verliert auch das stetig dräuende Unheil seinen Schrecken. Seit Banner Saga 1 sagt man uns, dass wir auf Messers Schneide wandeln, inzwischen wirkt das aber etwas abgestumpft. Es ist immer der letzte Moment, der letzte Kampf, die letzte Chance. Als wäre Banner Saga der Junge, der stets „Wolf!“ schreit, bis es seine Wirkung verliert. Das macht die Story nicht wirklich weniger gut, aber ist trotzdem spürbar. Immer wieder fragen wir uns, ob es denn dieses Mal wirklich das letzte Mal ist und wie viel Gewicht unsere Entscheidungen tragen.
Aber man hat sich eben auch weiterentwickelt. Weiterhin gibt es bildgewaltige, wallpaperwürdige Szenen, mit mehr Animationen in den entscheidenden Momenten. In seiner stilsicheren, ruhigen Art macht Banner Saga, mitsamt gelungenem Soundtrack, also wieder alles richtig. Dazu kommt eben eine erwähnte deutsche Textfassung, die sich allerdings nur auf die etwas spärlichen elf Stunden Spiel erstrecken.

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