Die Ukraine-Krise macht das Märchen vom Bitcoin als Zufluchtsort zunichte
Die Anleger reagierten auf den russischen Angriff auf die Ukraine mit Ausverkäufen. Die Preise für Kryptowährungen steigen nun wieder an. Warum konterkariert das den Anspruch von Bitcoin auf sich selbst?
Von Christoph Miklos am 20.09.2022 - 23:07 Uhr - Quelle: E-Mail

Fakten

Hersteller

Gamezoom.net

Release

Anfang 2000

Produkt

Gaming-Zubehör

Webseite

Die Anleger reagierten auf den russischen Angriff auf die Ukraine mit Ausverkäufen. Die Preise für Kryptowährungen steigen nun wieder an. Warum konterkariert das den Anspruch von Bitcoin auf sich selbst?
Bitcoin hat nur einen Tag gebraucht, um den russischen Angriff auf die Ukraine zu verdauen. Täglich ist die älteste und bekannteste Kryptowährung um fast neun Prozent gestiegen und notierte zuletzt bei rund 38.500 US-Dollar. Die Kryptowährungen in den hinteren Reihen legten zum Teil zweistellig zu. Die digitalen Währungen haben ihre Verluste seit dem russischen Angriff auf die Ukraine fast wieder wettgemacht.
Am Donnerstag reagierten die Kryptowährungen wie alle anderen Vermögenswerte empfindlich auf die sich verschlechternde Situation in der Ukraine. Bitcoin rutschte auf einen angemessenen Wert von 35.300 US-Dollar ab; Analysten warnten bereits vor einem Rückgang auf 30.000 US-Dollar. Die anschließende Erholung verlief in etwa im Gleichschritt mit der Entwicklung der Technologieaktien. Seit dem gestrigen Tiefpunkt war auch der US-Technologieindex Nasdaq wieder gestiegen, und zwar um fast sieben Prozent.
Es ist schwer zu sagen, warum Bitcoin trotz des Krieges in Europa wieder so stark ansteigt. Ein Grund könnte sein, dass der Ausverkauf übertrieben war und nun eine Korrektur stattfindet. Bitcoin kann auf eine junge Geschichte zurückblicken; für die Finanzmärkte ist er in den letzten Jahren relevant geworden. Mit geopolitischen Krisen hat das Cyber-Motto bisher keine Erfahrung. Doch das jüngste Kursverhalten zeigt, dass das Narrativ vom Bitcoin als Zufluchtsort ein Mythos ist. Eine echte Krisenwährung würde Anlegern Stabilität bieten - und das tut Bitcoin nicht.
Viele Krypto-Investoren sehen Bitcoin als digitales Gegenstück zu Gold. Es gibt einige Parallelen. Beide Anlageklassen sind begrenzt, Gold aufgrund seines natürlichen Vorkommens, der Bitcoin mit einer quasi Begrenzung im Code. Befürworter von Kryptowährungen sehen sie als Krisenwährung, genau wie Gold. Diesen Ruf hat sich das Edelmetall über die Jahrhunderte erarbeitet. Auch jetzt flüchten viele Anleger in die Anlageklasse und lassen den Goldpreis steigen.
Deutlich schlechtere Kursentwicklung als Gold
Besonders deutlich wird diese Diskrepanz im Jahresvergleich. Gold ist um gut 7,6 Prozent gestiegen, während Bitcoin satte 17,7 Prozent verloren hat. Natürlich waren die Wachstumsraten in früheren Jahren höher. Doch die jüngsten Entwicklungen bei der Inflation und der Ukraine-Krise zeigen, dass Bitcoin als Krisenwährung weniger geeignet ist.
Bitcoin
Nachdem der Index in den letzten zwei Wochen aufgrund der Verschärfung der Lage in der Ukraine stetig gefallen war, ging es wieder aufwärts. Möglicherweise hat Bitcoin nun die Talsohle durchschritten. Kryptowährungen sind jedoch sehr volatil.
Der "Fear and Greed"-Index ist attraktiv: Im Januar, als die Besorgnis über steigende Zinssätze die Kryptowährungskurse abstürzen ließ, erreichte der Index einen Höchststand von 11 - die Angst war also noch größer als jetzt.
Für ukrainische Widerstandsgruppen hingegen wächst die Relevanz von Bitcoin und Co. weiter. Wie Daten der Kryptoanalyse- und Handels website oil trading zeigen, ist das Volumen der Bitcoin-Spenden seit der zweiten Jahreshälfte 2021 gestiegen. Rund eine Million US-Dollar gingen an einige Nichtregierungsorganisationen und Widerstandsgruppen. Auch ukrainische Hacker werden unterstützt, um russische Regierungsstellen ins Visier zu nehmen. Bitcoin-Transaktionen sind berühmt für Crowdfunding-Kampagnen, weil Absender und Empfänger schwer zu ermitteln sind.
Die Krisenstrategien der besten Börsenprofis
Putin treibt die Preise in den Keller. Krieg und Klimaschutz verteuern die Energie. Die Inflation treibt die Zinsen in die Höhe - die Zeit des leichten Geldes geht an den Börsen zu Ende. Die Gewinner unseres exklusiven Rankings der besten Vermögensverwalter verraten, wie sie jetzt Rendite sichern und Geldwert schaffen.
Ruhe bewahren, rät der Veteran. Nur nicht gleich in Panik verfallen. Denken Sie stattdessen langfristig. "Die Geschichte zeigt, dass die Börsen politische Erschütterungen schnell überwinden", sagt Jens Ehrhardt. Und er muss es wissen. Ehrhardt wird im März 80 Jahre alt. Er ist der Grandseigneur der deutschen Vermögensverwalter, der Gründer von DJE Kapital in Pullach - und er hat in fast 60 Jahren an der Börse schon einige Geldbeben durch Kriege und Konflikte erlebt: Vietnam, Prager Frühling, Sechs-Tage-Krieg, Jom Kippur, Kuwait, Irak und Krim. Jetzt greift Putin also in der Ukraine zu.
Dezentralisiert
Geld ist Macht, und ein Finanzsystem ist ein politisches Instrument. Schließlich erkennen immer mehr Menschen die Risiken und Abhängigkeiten: Wenn Regierungen in die Enge getrieben werden, haben die Bürger oft das Nachsehen - jedes zentralisierte Geld kann entwertet, eingezogen, eingefroren oder blockiert werden. Der Wert von Bitcoin liegt darin, dass er dezentralisiert ist, so dass dies nicht möglich ist. Es gibt keine zentrale Behörde oder einen Herrscher. Er bietet Gewissheiten und Garantien, die trotz der Preisschwankungen nicht verändert werden können.

Kommentar schreiben