Football coming home


2010 war kein gutes Jahr für die Fußball-Simulation aus dem Hause Konami. Der steife Spielablauf hat für viele enttäuschte Fans gesorgt. Das Resultat: Mitbewerber EA hatte leichtes Spiel mit FIFA 11. Nun machen die japanischen Entwickler Schluss mit der lahmen Kickerei und zaubern endlich wieder gepflegten Sport auf den grünen Rasen. Pro Evolution Soccer 2012 überzeugt mit viel Dynamik, schnellem Spielfluss und ansprechendem Look. Wir haben den -möglichen- FIFA-Killer getestet.

Problem 1: Die fehlenden Lizenzen

Auch die neuste Auflage von PES muss mit einem mageren Lizenzpaket auskommen. So bringt es PES 2012 gerade mal auf vier vollständige Spielklassen und zwei deutsche Vereinsmannschaften (Bayern München, Bayer Leverkusen). Wer sich daran stört, kann sich im mitgelieferten Editor austoben und diese Missstände beseitigen. Doch kommen wir lieber zum Gameplay: Schon in den ersten Partien fällt die überarbeitete KI auf. Die Mitspieler laufen sich nicht nur geschickt frei und bieten sich zum Doppelpass an, sie überraschen auch mit diagonalen Laufwegen im Angriff und schaffen viele Freiräume. Eine Maßnahme, die das Spiel belebt. In der Abwehr setzt PES 2012 auf bewährte Automatismen, die von der gesteigerten KI profitieren. Die vom Computer gesteuerten Mitspieler stellen in der Verteidigung die Räume geschickter zu und schalten schneller auf Angriff um als noch in der Vorgängerversion – so gibt es nur selten große Lücken zwischen Abwehr und Sturm. Lediglich die unnötigen Torwartfehler müssten nicht sein.

Die volle Kontrolle

Konkurrent Electronic Arts versuchte sich schon mit FIFA 2004 an der sogenannten Off-the- Ball-Kontrolle, also dem gleichzeitigen Steuern des Spielers in Ballbesitz sowie eines weiteren Kameraden. Das Experiment misslang, die Idee wurde begraben. Nun widmete sich Konami ausgerechnet diesem exotischen Konzept - und setzte es diesmal sinnvoll um. Die ursprüngliche Fassung, dass der zweite Spieler mithilfe des rechten Sticks auf dem Gamepad komplett individuell gesteuert wird, führt heute wie damals zu Knoten im Hirn und meist zum Ballverlust. Als tatsächlich effektiv erweist sich dagegen die Version, bei der ihr vom Programm Unterstützung erhaltet. Hier drückt ihr den rechten Stick in eine Richtung, um einen Mitspieler auszuwählen, und wiederholt die Richtungseingaben erneut, um besagten KI-Kicker loszuschicken. Der kommandierte Fußballer rennt nun los und bietet so entweder eine Anspielstation oder beschäftigt die Verteidiger und reißt eine Lücke in die Defensivreihe. Nichtsdestotrotz bedarf auch diese simplere Variante etwas Übung, um sie in der Hektik des Spielgeschehens sinnvoll abzurufen. Der einfachste und zugleich nützlichste Einsatz von Off-the Ball geschieht jedoch bei Standardsituationen, etwa Abstößen, Eckbällen, Einwürfen, Freistößen. Hier wählt ihr mittels des rechten Gamepad-Sticks einen Spieler aus und steuert diesen anschließend wie gewohnt, während die KI den Schützen übernimmt und euren Recken im Feld auf Ihr Kommando hoch oder flach anspielt.

Mehr Flexibilität

Ebenfalls eine clevere Neuerung von Konami: ab sofort könnt ihr selbst festlegen, wobei euch das Spiel unter die Arme greifen soll. Pässe etwa landen dank optionaler Hilfsfunktionen auch dann beim Mitspieler, wenn man Stärke und Richtung nicht millimetergenau dosieren. Behäbige Ballannahmen und Richtungswechsel der Kicker kompensiert man mit etwas Geschick durch einen schnellen Antritt. Strafstöße verfolgt man glücklicherweise wieder aus der Perspektive hinter dem Schützen, was das Zielen und Abwehren vereinfacht. Beliebte Spielmodi wie das Herausforderungs-Training mit kniffligen Aufgaben und der Managermodus sind wieder dabei. Auch Profis werden ihre Freude mit Pro Evolution Soccer 2012 haben. Positiv fällt vor allem der Taktik-Editor auf. Während des Spiels wählt man bis zu vier Aufstellungen per Tastendruck. So reagiert man mit selbst erstellten Strategien sinnvoll auf jede Spielsituation. Die Einstellungsmöglichkeiten sind noch immer so umfangreich, dass man sich hier und da eine bessere Hilfefunktion wünscht.

Technik und Sound

Flüssige Bewegungsabläufe und realistisch dargestellte Gesichtsanimationen sind die Stärke der verbesserten Graphic-Engine. Sogar Muskelpartien und Schweißtropfen stellt das Spiel dar. Auch die zahlreichen Stadien wurden mit viel Liebe zum Detail erstellt. Nur das Publikum kommt -mal wieder- etwas „mager“ rüber. Einen nicht ganz so guten Job machen die prominenten Kommentatoren. Wolff Fuss und Hansi Küpper lockern die Partien in PES 2012 mit einigen flapsigen Formulierungen wie „Es ist angerichtet!“ auf, doch was zunächst ganz nett ist, nutzt sich schnell ab. Zumal man vieles schon aus den Vorgängern kennt. Größter Schwachpunkt ist und bleibt aber die nervige Hintergrundmusik in den Menüs. Hier hat nach wie vor FIFA die Nase vorne.

Multiplayer

Neuerungen bringt das Fußball-Spiel nicht, allerdings werden die alten Stärken weiter ausgearbeitet und frühere Fehler ausgemerzt. Die Meister-Liga Online wird weiterhin der zentrale Multiplayer-Wettbewerb sein. Hier können sich die Spieler duellieren und gegeneinander antreten. Jeder User steuert dabei ein Team und muss diese Mannschaft zum Erfolg führen, entweder mit dem Zukauf von aktuellen Profis oder der Ausbildung junger Talente. Auch die normalen Matches erfahren mehrere Upgrades, so wird das Matchmaking-System verbessert und neuerdings können bis zu acht Spieler an einer Partie teilnehmen. So sollen ganze Communitys gegeneinander antreten können. Konami geht außerdem gegen Spieleabbrecher vor: Kappt man die Verbindung frühzeitig, wird das von PES 2012 registriert und im Spielerprofil aufgeführt. Sinkt die Reputation, wird man nur noch gegen Spieler zocken können, die auch als Spieleabbrecher bekannt sind. Die soziale Komponente des Online-Modus wird von myPES abgedeckt. Das Community-Feature arbeitet eng mit Facebook zusammen und ermöglicht es dem Spieler, über das soziale Netzwerk Freunde und Bekannte direkt ins Spiel einzuladen. Außerdem werden Ergebnisse und Liga-Tabellen öffentlich ausgehängt, damit man mit seinen Freunden wetteifern kann.
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