Party-Racer!

Entwicklerteam Turn 10 verpasst der Forza-Serie einen komplett neuen Anstrich. Aus der Renn-Simulation wird mit Forza Horizon ein Open-World-Racer mit abgefahrenen Renn-Events. Ob das neue Konzept aufgegangen ist, könnt ihr in unserem ausführlichen Testbericht nachlesen!
Die Handlung
Als namenloser Autofreak ergattern wir mit unserem gammligen 95er VW Corado VR6 tatsächlich den letzten der begehrten 250 Startplätze für die Horizon-Meisterschaft. Natürlich mit dem Ziel, am Ende die dreijährige Vorherrschaft des amtierenden Champion Darius Flynt zu beenden. Doch bevor es so weit ist, warten unzählige Kilometer Asphalt auf uns. Der Entwickler garniert diese Karriere mit zahlreichen kurzen Videosequenzen und versucht, dem Spiel genau das richtige Event-Flair zu vermitteln. Forza Horizon will quasi „The Fast and the Furious“-Feeling vermitteln, was aber nur bedingt gelingt. Der „Handlung“ fehlt es am „dirty styl“ - alles ist viel zu bunt und auf Hochglanz poliert. Sei es drum, wir erwarten von einem Rennspiel natürlich nicht zwingend so etwas wie eine Handlung oder ein originelles Umfeld, sondern wir wollen kräftig Gas geben. Und das können wir auch in der offenen Spielwelt von Colorado, die mit einer wunderschönen Umgebung punktet: Eine hohe Weitsicht, abwechslungsreiche Locations, Tag-Nacht-Zyklen und das alles ohne Tearing oder Ruckler - Hut ab vor Turn 10!
Open World
Leider bietet die offene Rennwelt nur wenig für ambitionierte „Sucher“. Immerhin: Es gibt zerstörbare Upgrade-Schilder, die euch Rabatte in der Werkstatt bescheren. Blitzer und Tempozonen locken mit Herausforderungen. Und nicht zuletzt dürft ihr konkurrierende Fahrer, die ihr auf den Straßen trefft, jederzeit zu einem Rennen
herausfordern. Und es gibt insgesamt neun Scheunen, in denen ihr alte Sportwagenklassiker entdecken könnt. Für Burnouts, Drifts, waghalsige Überholmanöver oder ein hohes Tempo hagelt es Fanpunkte, die wiederum in verschiedene Level ausufern und immer mal wieder mit zusätzlichen Credits belohnt werden. Drei verschiedene Radiosender (Pop, Electro, Rock) sorgen für die akustische Untermalung. Die offene Spielwelt ist allerdings nicht das Kernstück des Spiels, sondern es sind die zahlreichen Renn-Events, an denen ihr teilnehmen könnt und müsst. Die Event-Orte werden auf einer Karte markiert und ihr nehmt teil, indem ihr einfach dorthin fahrt und vor der Anmeldestelle die X-Taste drückt. Wer sich verirrt, setzt Wegmarken und nutzt die GPS-Funktion.
Events
Die Renn-Events der eigentlichen Meisterschaft umfassen zumeist Rennen über mehrere Runden oder Point-to-Point-Rennen, in denen ihr gegen sieben weitere Fahrer antretet, darunter ein knackiger Rivale, der sich meist an die Spitze setzt. Die Rennen sind auf bestimmte Wagentypen, Herkunft oder Fahrzeugklasse begrenzt. Habt ihr kein passendes Auto in eurer Garage, könnt ihr vor Ort eins käuflich erwerben. Diverse Fahrhilfen und vier Schwierigkeitsgrade machen das Spiel für Anfänger und Profis gleichermaßen interessant. Motivierend: Eine schwerere KI und deaktivierte Hilfestellungen sorgen für eine erhöhte Credit-Ausbeute.
Neben den klassischen Renn-Modi gibt es auch spezielle Events, wie zum Beispiel die Fahrt gegen einen Rivalen. Besonders hübsche Karren könnt ihr aber auch beim Schaurennen ergattern, bei denen ihr gegen Flugzeuge, Hubschrauber und Heißluftballons antretet. In den Niederlassungen der Horizon-Rennzentrale, die über die Karte verstreut sind, könnt ihr PR-Stunts absolvieren, um die Kosten für die Schnellreisefunktion der Filialen zu senken. Dazu müsst ihr ab und zu hübsche Autos zu einem Fototermin ausführen, ohne dass sie beschädigt werden, oder bestimmte Tempolimits mit geliehenen Fahrzeugen brechen. Oder ihr versucht euch in Straßenrennen, die nach und nach freigeschaltet werden und richtig viel Geld in eure Taschen spülen, allerdings aufgrund des zivilen Verkehrs schwieriger sind. Im Horizon-Stützpunkt könnt ihr dann eure erworbene Kohle in neue Lackierungen, Upgrades oder Vehikel investieren.
KI und Fahrverhalten
Die lizenzierten Fahrzeuge im neusten Forza-Teil lassen sich allesamt gut steuern. Das gnadenlos gute Fahrgefühl und die tolle Fahrphysik des großen Bruders wurden übernommen. Forza-Veteranen fühlen sich also gleich heimisch. Leider hapert es der KI an Angriffslaune - auch auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad gehen die gegnerischen Fahrer viel zu zaghaft mit einem um. Darüber hinaus verleitet das lediglich kosmetische Schadensmodell dazu, dass man andere Fahrer einfach von der Strecke schubst.
Multiplayer
Leider profitiert der Mehrspieler-Part von Forza Horizon nur bedingt vom Open-World-Konzept. Entweder verausgabt ihr euch in verschiedenen, meist sehr unterhaltsamen Spielmodi, an denen leider nur maximal acht Spieler teilnehmen können. Oder aber ihr verkrümelt euch mit euren Freunden ins freie Fahren, dann aber leider in eine erschreckend leere Spielwelt. Vergebens Potenzial!

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